Haus am Park - die Geschichte

An einem Wochenende im Sommer haben wir uns spontan zur dritt entschlossen, auf eine Lost Place Tour zu gehen. Dieses unauffällige  Mehrfamilienhaus in der nahegelegenen Eifel sollte es sein, seit Jahrzehnten leer stehend, kaum bekannt und nicht verschandelt.

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Eine Kollegin wollte durch weitreichende Gärten an die Rückseite des Hauses gelangen und uns durch die Vordertür reinlassen. Mehr wollte ich gar nicht wissen ...

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Dann setzt er sich auf eine nahe gelegene Mauer, der Hund scheint das zu kennen, und ... tut eigentlich nichts, er liegt einfach nur da.
Ob das so gut ist? Wir wollen ja nur schauen. Das tun wir auch und schlendern in den anliegenden sehr hübschen Park. Merkwürdig der Mann mit Hund, der uns entgegen kommt und von oben bis unten mustert, wir hatten schließlich robuste Wanderklamotten an.
Gut, schauen wir uns die Situation mal an, finden vielleicht einen Parkplatz direkt vor dem Haus.

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"Nein, das ist gar nicht gut." sagt unser Bauchgefühl. "Lasst uns hier verschwinden und zumindest einen anderen Parkplatz suchen." Nachdem wir diesen gefunden und die  ortskundige Kollegin am passenden Zaun abgeliefert haben, starten wir zwei einen gemütlichen Spaziergang zum Park. Ich fotografiere hingebungsvoll die lauschige Atmosphäre, mein Partner hält Ausschau nach selbigem Herrn. Alles ganz entspannt.

Noch ...

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Wir zwei trennen uns und versuchen, diesen Herrn im Auge zu behalten. Wieder beieinander werden wir von einem vorbei fahrenden Briefträger angehalten und gefragt, was wir denn hier machen, er hätte heute schon so Fotomenschen gesehen?!? Ok, habe ich ihm die Fotos an der Kamera gezeigt. Diese haben ihm wohl gefallen, er erzählt uns nun vertrauensvoll und sehr anschaulich Geschichten aus der Gegend, über Land und Leute, Grundwasserspiegel und was der Mensch noch so alles nicht wissen will.

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Beim Vorbeigehen am Objekt der Begierde öffnet sich plötzlich die Haustür. Die Kollegin hat ihre Tour durchs Unterholz offensichtlich erfolgreich hinter sich gebracht und kann von innen die Haustür öffnen. Ich betrete also wider meiner besseren Überzeugung ganz ohne mein Zutun, so ganz unschuldig, das Haus.
Ich mag so menschliche Begegnungen ... Zwischenzeitlich scheint der aufmerksame Bürger verschwunden zu sein. Relativ entspannt drehe ich noch eine einzelne Runde.

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Während wir die Stimmung auf uns wirken lassen, kommt die Nachricht vom Dritten im Bunde, dass der Gutbürger wohl auf seinem Balkon steht.
Eine unwirkliche Atmosphäre aus Sonnenlicht und Staub umfängt mich. Halbdunkles Licht gibt die Sicht auf altdeutschen Wohnungsschick frei. Der ganz eigene Geist dieses Spots nimmt mich sofort gefangen. Durcheinander ist es und unordentlich, aber nichts verschandelt oder beschmiert. Was mag die einstigen Bewohner zu so einer schnellen Flucht veranlasst haben?  

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Ok, unser Mann draußen bleibt draußen. Wir versuchen schnell ein paar Fotos zu machen. Doch als erstes: Wo ist der Fluchtweg? Gut, Badezimmer mit Trittleiter und draußen soll wohl auch eine Leiter sein. Das erscheint machbar.
Was tun?!? Schade eigentlich, jetzt in Hektik verfallen zu müssen.

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Wo soll ich bloß anfangen. Wenig Zeit und wenig Erfahrung mit der Situation, keine Zeit das Objektiv zu wechseln, schlechtes Licht. Eine ganz normale Arbeitsplatzbeschreibung eines Urbexers also.

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Nach einigen hektischen Versuchen, die Einrichtung abzulichten, habe ich diese Fotos entdeckt. Alte Familienfotos, schwarz-weiß, strahlende Menschen, liebevolle Erinnerungen, genau das also, was mich inspiriert. Nur nicht lange ausprobieren, Kamera drauf halten und abdrücken. Dann schnell weiter zur Treppe. Es soll mehrere Etagen geben. Was man da alles für Schätze entdecken kann ...

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Schade eigentlich, dass ich das mit dem wenigen Licht noch nicht so gut beherrsche. Noch mal tief durchatmen und noch mal von vorne, mal mit Blitz ausprobieren... Schön, klappt schon besser. Dumm gelaufen, dass man wohl Blitzlichter auch von draußen durch nicht ganz geschlossene Rollos sehen kann ...

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Den Blick suchend auf den Rest des unteren Geschosses gerichtet, trenne ich mich sehr ungern von diesem Anblick.

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Aber wir wollten ja noch zumindest eine Treppe noch oben ...

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Ein kurzer Blick zurück zur Wohnungstür, in der untergehenden Sonne sieht alles so friedlich auch....

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Die Kollegin kommt angelaufen, aufgeregt ihr Equipment zusammenraffend. "Da ist jemand an der Tür. Die wollen rein, wir sollen aufmachen ..." Müßig zu sagen: "Hätten wir mal ;-)" Ups, wo war doch gleich der Fluchtweg ...
Aber wie das in solchen Situationen ist, trügt auch hier der Schein gerne mal.

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Rucksack auf, Kamera um den Hals gewickelt, Einbein Stativ hinter mir her schleifend. Kein Mitleid mit der Ausrüstung, da kommt Freude auf :-). Der letzte Staffellauf in der Schule ist auch schon eine Weile her. Fenster auf, bisschen klein, aber ok. Doch wo zum Teufel ist die versprochene Leiter? Na ja, gut 1m neben dem Fenster. Das schaffe ich nicht so schnell. Ein Blick nach unten: 2m? Das geht schneller. Also aus dem Fenster gefall-, sprungt. Nein, Dornenbüsche haben mich auch noch nie gestört.

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Den Weg kennt nur die Kollegin. Die supportet auch fleißig von hinten, wohin ich mich wenden soll, am besten ein bisschen schneller.  Interessant, was für große und verwilderte Hinterhofgärten so eine Stadt hat. Kurzer Stop, die Kamera in den Rucksack. Soviel Zeit muss sein, die alte Nikon kann ja nichts dafür. Kurzer Check, alles da, nichts gebrochen und niemand folgt uns. Noch ein paar Schritte und wir sind am finalen Zaun. Auch diesen schaffe ich noch, wenn auch mit reichlich zittrigen Knien.

 

Tja, was soll ich sagen, war schon cool ...

Urbex Art Photography