Lost Place - Altes Stadtbad Krefeld

Hier fasse ich Erlebnisse und Erfahrungen einer Fototour in diesem wunderschönen alten Stadtbad Krefeld im Juni 2020 mit der theoretischen Führung im Juli des gleichen Jahres zusammen. So viele interessante Eindrücke, so viele Farben, so viele Informationen. Eine  Dokumentation, in der hauptsächlich die Bilder sprechen sollen!

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Nachdem ich durch das bunte, für Krefeld Neulinge ein wenig versteckte Tor Einlass gefunden habe, fand ich mich im Hof des alten Stadtbades wieder.

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Viele Fotokolleginnen und Kollegen waren schon da und warteten auf das, was noch kommen würde.

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Abwartend schaue ich mich um. Während wir warten, platziere ich Samson junior, mein Fotomaskottchen, schon mal auf der Windschutzscheibe des offensichtlich auch schon in die Jahre gekommen Busses. Ein bisschen Spaß muss sein. Endlich kann jeder seinen Obolus entrichten, erhält einen Schutzhelm und die neuesten Corona Verhaltensregeln. Alles halb so wild, wird schon gehen, Hauptsache ich bekomme endlich etwas vor die Linse. Habe ich erwähnt, dass ich manchmal nicht sehr geduldig bin ;-).

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Wissenswertes aus der ca. 1,5 Std. dauernden kostenlosen, Spenden erwünschten theoretischen Führung: Die erste Sauna gab es wahrscheinlich um 70 nach Christi in Gelduba/Gellep, einem alten Siedlungskern, der von den kaiserlichen Truppen bis mind. ins 5.Jh. nach Christi genutzt wurde. Gelduba ist der heutige Krefelder Stadtteil Gellep und ein archäologisch wertvoller Fundort. Dann wird lange Zeit nichts "waschenswertes" berichtet. Erst später im Mittelalter tauchten Bäder/Waschhäuser wieder auf.

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Wie schon erwähnt, sind wir im Mittelalter: Hier wurden Waschzuber benutzt. Es gab Bader, die neben den Waschungen auch zur Ader ließen und andere körpernahe Dienstleistungen verrichteten. Da es hier auch zu geschlechtsübergreifenden Dienstleistungen kam, die der Kirche auf schärfste verpönt waren, geriet das Waschen an sich in den höheren Kreisen in Vergessenheit. Meist wurde hier ein Mensch nur einmal nass, und das war bei der Taufe. Das gemeine Volk ging in die Flüsse, um sich zu waschen.

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Im späteren Barock/Rokoko wurde die Körperhygiene mittels Puder und allerlei Duftwässerchen und anderer merkwürdiger Ingredenzien durchgeführt. Diese Zustände führten naturgemäß zu immer stärkeren gesundheitlichen Problemen. Um 1800 war Crefeld mit ca. 8.500 Einwohnern eher dünn besiedelt. Doch nach und nach kamen immer mehr Menschen auf der Suche nach Arbeit in die Stadt. Die ehemals freien Weber verdingten sich als Lohnarbeiter in der Textilindustrie.

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Aus dem Ruhrgebiet zog es viele Arbeiter in die Seidenindustrie, die ein angenehmeres Arbeitsumfeld versprach als der Kohleabbau und die Schwerindustrie. Explosionsartig stieg die Einwohnerzahl auf 100.000 Einwohner. Aber da die Stadt nicht mehr Platz bot, lebten sehr viele Menschen auf immer enger werdendem Raum. Um die hygienischen Probleme in den Griff zu bekommen, waren gravierende Änderungen von Nöten.

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Da die Stadt Krefeld auf Drängen der Handelskammer den Sitz des zuständigen Landgerichtes in das Stadtgebiet holen wollte, das preußische Justizministerium aber als Mindestanforderung eine öffentliche Badanstalt forderte, wurde ab 1882 eine öffentliche Badeanstalt geplant und am 01.05.1890 an der Neusser Str. eröffnet. Der Fokus lag naturgemäß bei Eröffnung des Bades nicht auf dem Schwimmen, sondern auch auf dem Bestaunen der technischen Neuerungen und der exquisiten Ausstattung.

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Das Bad wurde vom Architekten Johann Burkhart im Jugendstil geplant. Die Anlage befindet sich im verdichteten Stadtkern. Durch die Integration in die vorhanden Geschäftsstraßen, fanden Schaufensterfronten keinen Platz. Stattdessen wurde die Inneneinrichtung hochwertig und großzügig erbaut. Es geht hinauf im opulenten Treppenhaus mit seinen wunderschön geschmiedeten Treppengeländern. Staunend bekommen wir einen ersten Eindruck, welch prachtvoller Lost Place auf uns wartet.

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Ein erster flüchtiger Blick in einen der zahllosten Gänge. Schnell die Kamera genommen und den ersten Eindruck fest gehalten. Noch nicht wirklich ein Blick für die einstige Schönheit, sondern ein Empfinden von Traurigkeit ob der Unordnung und des Verfalls. Im Laufe der Führung soll sich der Eindruck ein wenig abschwächen. Vieles ist schon aufgeräumt, gesäubert und ein wenig für den Betrachter her gerichtet. Doch weiter in der Geschichte dieser faszinierenden Zeugnisse vergangener Zeit ...

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Im Vestibül, dem Treppenaufgang zum Herrenbad befindet sich ein in blau gehaltenes Kunstwerk des Theatermalers Fritz Huhnen. Der in Krefeld beheimatete Maler verewigte auf diesem Bild auf dem Beckenrand unten rechts sitzend die Krefelder Schwimmerin Wiltrud Urselmann. Sie hat bei den Olympischen Spielen 1960 eine Silbermedallie erschwommen. Wenn der Blick durch den sonnendurchfluteten Flur fällt, kann man sich für einen Moment in der Schönheit der vergangenen Tage verlieren. s. Link

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Wiltrud Urselmann unten rechts am Beckenrand sitzend. Eine außergewöhnliche Idee, eine Sportlerin zu ehren. Das Bild wurde 1969/61 erschaffen und 2002 zum letzten Mal restauriert. s. Link

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Durch Feuchtigkeit und Kälte hat dieses Kunstwerk enorm gelitten und 2017 wurde über einen Noterhalt in Höhe von ca. €950 – €1.200 debattiert. Laut Aussagen von Anke Drießen Seeger (SPD) handelt es sich um ein Bild doppelter Bedeutung, da es eine Homage an 2 Krefelder Künstler ist. Auch der bekannte Schauspieler Bud Spencer hat in seiner Schwimmkariere das Krefelder Bad beehrt. 1951 trat er unter dem Namen Carlo Pedersoli für Ratio Rom international an.

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Eleganter Treppenaufgang, lichtdurchflutet, lädt dazu ein, einen Moment der Ruhe zu genießen. Erstaunlich gut erhalten sind die Treppenstufen aus Holz. Edel, doch schlicht und zeitlos zeigen sie Stil und Eleganz. Die reiche Seidenstatt Crefeld wollte im deutschen Reich zeigen, was sie sich wert war. Das ist ihr mit diesem Bad mehr als gelungen.

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Streng getrennt nach Damen und Herren gelangten die Badegäste an ihren jeweiligen Ort der Ruhe und des Entspannens. Mit der 1877 ersten richtigen Wasserleitung war die Wasserversorgung gesichert.

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Hatten die Damen z.B. ihre Blechmarken für den Eintritt erhalten, konnten sie im Warteraum auf eine freie Badekabine warten. Es wird berichtet, dass oft ein ziemlich rauer Umgangston seitens der Badedienerinnen herrschte. Die geringe Bezahlung für die doch ziemlich anstrengende Arbeit mag ein Grund dafür sein.

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Innehalten ... wenn die Welt sich um einen herum dreht. Es gibt immer eine Möglichkeit, zur Ruhe zu kommen und für einen Moment einfach den Augenblick zu genießen. So tankt man genügend Kraft, um wieder in den Trubel des Alltags einzusteigen. (Pinterest) - Vielleicht war dies früher so ein Ort für die Besucher des Bades. Für mich war es so ein Moment, während ich versucht habe, das Gefühl mit meiner Kamera fest zuhalten. Deshalb konnte ich mich auch nicht entscheiden, welches Bild ich nehme ...

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Ein Damen- und ein Herrenbad sowie ein hufeisenförmiger Wannenbädertrakt vervollständigten mit medizinischen und römisch-irischen Bädern die Anlage. Dieses wunderschöne Stadtbad Krefeld zählte seinerzeit zu den größten Bädern im deutschen Kaiserreich. Es war 113 Jahre mit Unterbrechungen in Betrieb. Trotz Staub und Schmutz der Vernachlässigung ist die einstige Exklusivität noch gut erkennbar.

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Da wenig Grund und Boden für die Bebauung zur Verfügung stand, wurde die Badeanstalt auf engstem Raum in die vorhandenen Geschäftsstraßen integriert. In den heutigen Büroräumen gab es zu früherer Zeit ein Damenmodengeschäft, später einen TUI Reisveranstalter. Im oberen Bereich lagen die Wohnungen für die Bediensteten. Im Eingangsbereich gab es einen Kiosk, der so klein war, dass der Besitzer sich darin kaum bewegen konnte. Den Eingang zierte ein schmiedeeisernes Tor.

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Zur Eröffnung kamen ca. 1.400 Menschen auch um die erste elektrische Anlage zu bestaunen. Zur Absicherung soll es allerdings auch Gasbeleuchtung gegeben haben, um im Fall eines Versagens des neuen Stroms weiter über Licht zu verfügen. Die Bauweise an sich mit vielen großen Fenstern und Lichthöfen war noch zusätzlich dazu geeignet, das Bad in hellem Licht erscheinen zu lassen. Samson junior scheinen die schönen Muster der Fliesen ebenfalls zu gefallen. 1897 wurde die Brausen Abteilung eröffnet.

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Duschen kostete 10 oder 20 Pfennig incl. Handtuch und Seife. Es gab Baden 1., 2., und 3. Klasse, mit oder ohne Seife/Handtuch, Massage, Vitamin D-Behandlung, mit und ohne was auch immer. Danach mussten sich Männer und Frauen getrennt in ihre jeweiligen Bereiche begeben. Links die Treppe hoch gelangte Frau ins Damenbad. Im rechten Bereich lag die Wäscherei. Meist wurde die im Bad benötige Wäsche ausgeliehen, damit man sofort nach der Arbeit zum Baden gehen konnte.

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Die Fliesen im gesamten Bad gehören zu den damals teuersten erhältlichen Materialien. Sie wurden fugenlos verlegt, eine heute kaum noch zu findende handwerkliche Technik.

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Die Natur kehrt zurück, überall, wo es das kleinste Schlupfloch gibt. Erstaunlich, mit welcher Beharrlichkeit und Unaufhaltsamkeit dieser Prozess vonstatten geht.

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Im Kellerbereich befand sich eine Wäsche-U-Bahn, um die Wege möglichst kurz und schnell zu halten. Zur Eröffnung wurde sich mit einer Klingelanlage und Sprachrohren verständigt. Später wurde eine modernere Telefonanlage eingebaut. Im Bad arbeiteten einige wenige Beamte ein hauptberuflicher Maschinist, Masseusen und Masseure und ein Kassierer.

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Der Verdienst lag bei ca. 1.000 Deutschmark. Der Rest der dort arbeitenden Menschen waren Tagelöhner, deren Verdienst bei 4 – 6 Deutschmark/Tag lag. Die Eintrittspreise lagen je nach gebuchter Leistung bei 0,50 – 2,50 Deutschmark. Es gab die ersten Solarien, allerdings angeblich mehr zur Vitamin D Abdeckung, denn zur angenehmen Bräune. Geplant wurden Kosten in Höhe von 200.000 Deutschmark. Da man sich mit diesem Prachtbau ...

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... auf Neuland begab, betrugen letztendlich die Kosten lt. Wikipedia 919.134,89 Deutschmark. Weil die geplante Übernahme dieser Kosten durch Investoren einer Aktiengellsellschaft nie zustande kam, musste die Stadt Krefeld allein für die Kosten aufkommen. Doch da die Ausstattung so überaus prächtig und ansehnlich war, geriet letztendlich niemand mehr in Staunen über diese hohen Kosten. Eine Mettlacher Fliesenfirma war 2 Jahre damit beschäftigt, alles benötigten Fliesen herzustellen.

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Im Salon Bad, auch Kaiserbad genannt, herrschte ein feudales Ambiente. Eine Liege, Korbstühle und ein Duschvorhang vervollständigten die Einrichtung. Über 3 verschiedene Klassen von Dusch- und Wannenbädern verfügte das alte Stadtbad, wovon das Kaiserbad das hochwertigste war. Die Fenster zum Flur hatten eine Blindverglasung, damit die Badenden vor neugierigen Blicken aus den Fluren geschützt waren.

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Im späteren Verlauf wurde dieser Raum auch als Familienbad genutzt. Die Fliesen stammen von Villeroy & Boch. Dieser Raum steht unter Denkmalschutz und es gibt Überlegungen, ihn komplett wieder herzurichten. In 2019 wurde durch vandallistische Übergriffe einiger Schaden angerichtet. So wurde ein Wannengriff ´raus getreten. Im ganzen Haus gibt es z.B. auch keine Kupfer o.ä. wertvolles Material mehr.

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Dieser Spruch (Herzensliebe.com) und die einst luxuriöse Ruhebank gehörten für mich sofort zusammen. So viel Zeit im Dornröschenschlaf vergangen. So viel zu planen, reparieren, erhalten und/oder zu verändern. Nichts, was in kurzer Zeit vollzogen werden kann. Geduld, Zeit, Initiative werden letztendlich zu einem tollen Ergebnis führen. Davon bin ich fest überzeugt, habe ich doch das Team der Freischwimmer als äußerst engagiert, kompetent und nachhaltig arbeitend erleben können.

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Nachdem das Bad in Etappen geschlossen wurde, hat es einige nicht wirklich erfolgreiche Versuche gegeben, mit Kunstinstallationen Besucher anzulocken. Ca. 7 Jahre bevor auch das Herrenbad endgültig geschlossen wurde, stellten z.B. 24 Krefelder und regionale Künstlerinnen verschiedene heiter-tiefsinnige, raumbezogene Installationen aus. Hierzu wurden die Räume unter Einbezug ihres Charakters genutzt. Siehe hierzu Link:

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Szenische Führungen durch das Bad sind eine der Aktionen, die vom freischwimmer e.V. zur Wiederbelebung des Bades durchgeführt wurden. Der Verein kümmert sich seit 2018 darum, das alte Stadtbad gemeinsam mit den Krefelder Bürgerinnen und Bürgern zu neuem Glanz und neuen Aufgaben zu verhelfen. Samson junior musste sich schnell mal in die Szene einschleichen ;-). Bericht zu den szenischen Führungen siehe folgenden Link:

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Spieglein, Spieglein an der Wand... ein wenig Selbstdarstellung sei der Fotografin erlaubt :-). Gut zu erkennen sind hier auch die maroden Mauerwerke.

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Das Herrenbad eines der größten und schönsten Bäder im damaligen kaiserlichen Deutschland mit 26 m Länge. Später wurde es auf Wettkampfmaße (25 m) angepasst. Die hohen gewölbten Decken unterstützen den Eindruck von Großzügigkeit und Exklusivität. 1922 wurde mit dem Bau eines neuen Elektrizitätswerkes die Anlieferung von Warmwasser möglich. Eine 800 m lange Leitung leitete die Abwärme ins Schwimmbad, wo sie noch abgekühlt wurde. So konnte 1/3 Energie gespart werden.

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In den Hallenbädern fand auch der Sport ein Zuhause. Der Krefelder Schwimmverein wurde dort im Juli 1983 gegründet. Von Beginn an fanden hier Wettkämpfe statt. Neben Wiltrud Urselmann, gab es z.B. Martha Genenger und andere Olympioniken, Europa- und Weltmeister. Nach dem 1. Weltkrieg gehörte Schwimmen zum festen Sportunterricht an den städtischen Schulen. Bis zur Schließung des Damenbades trainierten hier auch ...

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... die Rettungsschwimmer des Deutschen Roten Kreuzes und der Krefelder Wasserwacht. Sogar Wasserball fand hier seine Liebhaber. 1996 gab es einen Umbau, bei dem u.a. Finnenrinnen eingebaut wurden, die mit Wasserumwälzungen zusammen zu verbesserten Hygienebedingungen führen sollten. Aber auch diese Maßnahmen konnten den Niedergang nicht aufhalten. Da das Schwimmbad in Fischeln bedeutend billiger war, wurde für das Jahr 2000 die Schließung geplant.

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Im August 2000 jedoch gab es einen Unfall im Bockumer Badezentrum mit 46 meist jugendlichen leicht Verletzten. Aus ungeklärten Ursachen brach die Unterdecke im Schwimmbereich ein. "Das Wunder von Krefeld" betitelte die Presse damals dieses Ereignis (vgl. Link). Das Bad wurde geschlossen und das Herrenbad für kurze Zeit reaktiviert. Die Schulen und Vereine mussten dieses Bad nun nutzen, so dass die Öffentlichkeit nur ca. 2 Stunden zum Schwimmen hatte.

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Durch die zum Teil sehr veraltete technische Anlage musste das Bad manchmal ganz geschlossen werden. Die marode Heizungsanlage fiel häufig aus, so dass das Wasser kalt blieb. Neben dem bald instand gesetzten Bockumer Badezentrum eröffnete im Stadtteil Königshof ein weiters Schwimmbad.

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Nicht nur die immer wieder auftretenden technischen Probleme, sondern auch die mittlerweile ausreichende Versorgung im Bad- und Schwimmbereich waren der Grund für eine endgültige Schließung des einstigen Prachtbaus. Am 24.01.2003 verließ der letzte Badegast die heiligen Hallen. Seitdem befindet sich das Bad in unverändertem Zustand.

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Ein Blick durch die Glaskugel sei mir erlaubt ... Glänzend und auf den Kopf gestellt erscheint das Herrenbad. Ein Zeichen für eine vollkommen kontroverse aber nicht desto trotz strahlende Zukunft? Warten wir es ab ...

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Die Gänge zu und zwischen den Bädern waren mit Kokosmatten ausgelegt. Der Hauptaugenmerk bei Eröffnung lag in erster Linie beim Baden/Waschen zur Köperhygiene, weniger beim reinen Schwimmen. Hatte man den jeweiligen Eintrittspreis gezahlt, hat ein Badediener die Tür aufgeschlossen und das heiße Wasser eingelassen. Die Uhr wurde auf 0,45 Minuten gestellt. Danach musste man das Bad verlassen. Wurde das versäumt, musste nachgezahlt werden.

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Die großen Mengen Wasser, die das Bad benötigte, wurden mit Hilfe großer Mengen Kohle aufgewärmt. Mehr als 19° schafften die Hallenbäder damals allerdings nicht. So musste das Bad zur Zeit des 1. Weltkrieges, als Kohle zum ersten Mal knapp wurde, zum ersten Mal schließen. Wasseraufbereitung oder spezielle Desinfektion war zur damaligen Zeit auch noch nicht möglich. Vor allem im Sommer war trübes Wasser die Folge.

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Bei hohen Betrieb musste das Wasser bis zu drei mal in der Woche ausgetauscht werden. Spinnweben und Taubenkot bedecken nun Stufen und Treppengeländer der vormals so prachtvollen Badestätte, erinnern mich an die oder andere verbotene Location bei Harry Potter. Der einstige Glanz aber blitzt an vielen Stellen durch und lädt ein, auch die wunderschönen Kleinigkeiten wahrzunehmen.

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Wo bitte ist die Toilettenfrau geblieben? Dieses Bild berührt mich. Vielleicht weil es so einfach und unspektakulär ist.

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Aus jeder Perspektive beeindruckend, lässt sich trotz des allgegenwärtigen Staubes noch sehr gut die hochwertig farbige Verarbeitung des Fußbodens erkennen.

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Immer herein spaziert ... Neben dem normalen Regelbetrieb war es schwierig, das Wettkampftraining zu integrieren. Morgens erschienen die Frühschwimmer, danach die Schulen, am Nachmittag fand der Normalbetrieb statt und abends hatten die Vereine Trainingszeiten. So blieb für die Leistungsschwimmer nur der frühe Morgen oder später am Abend.

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Zu Spitzenzeiten gab es ca. 500.000 Besucher im Stadtbad, zum Schluss waren es gerade mal 8.500 Besucher. Eine traurige Bilanz.

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Bin gleich zurück ... scheint das verwaiste Kassenhäuschen dem vorbei schlendernden Besucher zu sagen. Wäre schön, wenn das wahr wäre, würde sicher so mancher Krefelder sagen, der hier schwimmen gelernt hat. Glaubt man den Ur-Krefeldern, so hat hier fast jedes Kind das Schwimmen gelernt.

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Vor ca. 1,5 Jahren wurden Teile des Mauerwerkes restauriert, weil sich der gemeine Hausschwamm dort breit gemacht hat. Da im Laufe der Jahre Efeu durch die Fenster gedrungen ist, wurden in Teilen neue Fenster eingesetzt, einige Fenster sind z.Zt. mit Sperrholzplatten verschlossen, letztendlich auch um den fliegenden Ratten /Tauben den begehrten Zugang zu verwehren. Weitere Informationen zu Sanierungsmöglichkeiten siehe Link:

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Ein Licht am Ende des Tunnels ... Eines der zahlreichen großen Fenster, die dem Bad zu guten Lichtverhältnissen auch ohne Strom und Gas verholfen haben. Außerdem eine Perspektive, die mit oder ohne Mensch zu einem der beliebtesten Fotomotive der alten Lady geworden ist.

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Zur Eröffnung tat im Frauenbad ein Bademeister Dienst. Dieser kam allerdings dort nicht wirklich zurecht. Bald wurde eine Bademeisterin eingestellt, deren Anstellung jedoch erst nach längeren Diskussionen genehmigt wurde. Das Becken war 16 m lang und das Wasser war meistens trüb. Es wurde 2 x in der Woche gewechselt und wurde mit ca. 22° warmen Wasser aus dem Kesselhaus beliefert.

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Die meiste Zeit hatte das Wasser allerdings nur 19°. Das Wasser bei den Herren wurde häufiger gewechselt als im Damen Bad. Aus diesem Grund kam es zur einer Eingabe, dass auch im Damen Bad das Wasser häufiger gewechselt werden sollte. Nach intensiver Prüfung der Sachlage gab es Annahmen, dass die Trübung des Wassers aufgrund der Tatsache herrühren könnte, dass es die Damen würden mit der Hygiene nicht so genau nehmen würden.

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Offensichtlich war es nicht einfach, die Wasserhygiene zu gewährleisten, 5 Liter Chlor, an einem Ende ins Becken gegeben, mussten auch erstmal am anderen Ende ankommen. Das Damen Bad war teuer zu beheizen, was letztendlich mit zur Schließung geführt hat. Zur Blütezeit fanden im Damen Bad alle 2-3 Monate sogar Taufen der Zeugen Jehovas statt.

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Ende 1992 wurde das Damen Bad letztendlich wegen der zahlreichen Schäden des Erdbebens am 13.04.1992 geschlossen. Das Erdbeben hatte eine Stärke von 5,9 auf der Richterskala und war das stärkste der Region seit dem Dürener Beben von 1756. Das Epizentrum lag 4 km südwestlich von Roermond. (Quelle: Wikipedia und vgl. Link) Allein der Nachweis der hieraus resultierenden gravierenden Schäden wurde offenbar nie nachweislich geführt. Hier sind noch einmal die wunderschönen Originalfliesen zu sehen.

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Auch die übrigen Treppenhäuser des alten Stadtbades Krefeld zeigen ihren gediegen zeitlosen Charme.

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Nach 38 Jahren schließt der Frisör im Stadtbad seine Türen. Selbst meinem Mann ist dieser Salon noch in guter Erinnerung, ist er doch oft dort zum Haare schneiden gewesen. Verschiedenen Aussagen zur Folge betrieb der Frisör seine Laden die letzten 5 Jahre ohne Heizung, da die technischen Anlagen marode waren. Auch soll er seinen Salon in gleichbleibender Art und Weise betrieben haben, ohne den Strömungen der Zeit zu folgen. WAZ 30.12.2008

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Die Ära von "Babier Stefan", dem wohl bekanntesten Frisör der Krefelder Innenstadt, endet hier an einem Mittwoch um 13.00 Uhr. Generationen von Krefeldern hat Stefan Sczesniok gestylt, geschoren und zurechtgemacht. Egal ob Politiker, Künstler, Sportler oder einfacher Bürger, willkommen war ihm, der jeden Kunden duzt, jeder: "Erst meine Kunden haben den Laden zum Kult gemacht. Allein hätte ich das nicht geschafft."

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Chic der 50ger Jahre, braune Holzvertäfelung, 3 rote Frisierstühle, an den Wänden Ansichtskarten, Karikaturen, Fotografien und sonstige liebevolle Erinnerungen. Ein Salon, von und mit den Kunden gestaltet. Wehmütig erinnert sich Stefan Sczesniok an die längst vergangenen Zeiten, in denen er als "Babier" im wahrsten Sinne des Wortes für die Manneszier mit einer fachmännischen Rasur dienen konnte. Sie hierzu auch folgenden Link:

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Nach 1945 wurde schlicht und funktionell r, im 50ger Jahre Stil eben. Schwimmen sollten die Krefelder*innen hier, so erklärte es auch Peter Borg, mit über 80 Jahren der älteste noch lebende Bademeister des Stadtbades. Ein Zeitzeuge, der hier unbedingt zu Wort kommen soll. „Man sollte vor allem an die Kinder und Jugend denken, wenn man für Krefeld etwas machen will“, schreibt der ehemalige Schwimmtrainer dem Krefelder Oberbürgermeister Frank Meyer ins Poesiealbum. (Interview siehe Link)

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Am 01.08.1955 begann Peter Borg sein Ausbildung im alten Krefelder Stadtbad. Ca. 65 Mitarbeiter gab es zu jener Zeit. In der Werkstatt arbeiteten ein Installateurmeister, ein Maurer, ein Schlosser und ein Schmied. Man war also weitgehend autark. Heizer arbeiteten im Kesselhaus an der Gerberstraße, wo das Wasser mit Hilfe von unzähligen Kohlelieferungen angewärmt wurde. Etwas traurig die Atmosphäre der verlassenen Dusche, erinnert sie mich doch an so manch eher ungeliebte Schulschwimmstunde.

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Der frühe Vogel fängt den Wurm. Dazu erzählt Borg von den Frühschwimmern "Morgenröte", bestehend u.a. aus einflussreichen Geschäftsleuten und Politikern, machte sich eine ca. 150 Mann starke Gruppe jeden Morgen um 6:30 Uhr auf ins nasse Element, Spaß inbegriffen. Konrad Grundmann (CDU 1959-1966 Arbeits- und Sozialminister NRW) z.B. ließ sich im Dienstwagen aufs Gelände fahren und von seinem Chauffeur die Türen aufhalten und die Handtücher anreichen.

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Wenn Peter Borg dann von einem Amtsleiter erzählt, dem von einem Zahnarzt mahnend ;-) ein Stück Seife im Wert von 20 Pfennig nachgetragen wurde, fragt sich, wer da zuletzt lachte. Arbeitspläne, fein säuberlich mit der Hand geschrieben, geben einen flüchtigen Einblick in damalige Arbeitsplatzbeschreibungen.

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Der Weg zu den Umkleiden durch die Türen wurde Stiefelgang genannt. Zur Seite zum Becken hin, durch Vorhänge getrennt wurde der Gang Barfußgang genannt. Leider sind auch hier die Duschköpfe u.Ä. Alles geklaut. Nachdem Tauben 20 Jahre lang hier eine Bleibe gefunden haben, wurden nun die Fenster zugemacht. Nur noch vertrockneter Vogelkot und ein paar zerzauste Federn erinnern an die Zeit der "Flugratten". (Ich mag Tauben übrigens ...)

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Seinerzeit war diese Anlage sicherlich modern und leistungsfähig. Jetzt gibt sie diesem Bad einen maroden Anstrich verbunden mit nostalgischen Erinnerungen ...

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Im Aushangbereich wurden Ankündigungen der verschiedenen Bereiche und Vereine veröffentlicht, auch Siege der hier trainierenden Leistungssportler konnten hier bewundert werden.

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Dieser prächtige Raum war der Ruheraum zum römisch-irischen Bad. An der linken Seite befanden sich 19 Umkleidekabinen, in der Mitte des Raumes befand sich ein langer Tisch mit Stühlen, an der rechten Seite gab es Waschbecken. Das kassettierte Tonnengewölbe gibt dem Raum Größe und Präsenz. Bis 1963 war diese Saunaanlage in Betrieb.

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Da mittels Fernwärme nicht genug Wärme erzeugt wurde und in Bockum ein Badezentrum geplant war, wurde diese Anlage außer Betrieb genommen. Nach 20 Jahren im Dornröschenschlaft fand dann hier von 1983 - 2002 der Männerbund Schlaraffia eine neue Burg.

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1859 gründeten Theaterleute, Künstler und Literaten in Prag den Männerbund Schlaraffe nachdem sie von den klassischen Männerbünden abgelehnt wurden. So wurde die Vereinigung auch gedacht als Persiflage der elitären Männerclubs des 19. Jahrh. wie z.B. Lions-Club oder Rotary-Club.

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PRAGA - zeitgenössische Darstellung des Gründungsorte. Bei den Schlaraffen kann jeder seine kreative Leidenschaft ausleben und einfach Spaß haben. Entstanden aus den Reihen der Schauspieler, die meist in den Wintermonaten Engagements hatten, fanden und finden die wöchentlichen Treffen in den Wintermonaten (01.10.-30.04. Nordhalbkugel, 01.04.-30.10. Südhalbkugel) statt. Man hält freundschaftliche Wert sehr hoch, sie sind ausgesprochen tolerant und Freundschaften können weltweit gepflegt werden.

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Im Sommer finden Veranstaltungen auch mit den Frauen und Kindern statt. Die wöchentlichen Treffen werden „Sippungen“ genannt. Hier ein Blick in die Räume des Heißluftbades, noch zu erkennen, die besonderen roten Fliesen an den Wänden. Diese wurden extra für diese Räume entworfen.

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Kreiert wurden diese Fliesen von Otto Eckmann, einem Hauptvertreter der floralen Richtung des Jugendstils, dessen Werke u.a. im Kaiser Willelm Museum in Krefeld zu sehen sind. Das fröhliche Spiel erfolgt nach festen Regeln und wird ergänzt durch originelle Namen, kuriose Titel und manchmal bizarres Vokabular. Alles geeignet und zum Zweck der zeitweisen Loslösung vom Alltag. Heute haben sie ihre Burg in Uerdingen im et Klöske. s. Link

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Die Tafeln mit ritterlichen Namen erinnern noch heute an das Treiben der lustigen Rittersleut. Geprägt von mittelalterlich-romantischer Stimmung wird jedoch das Rittertum parodiert und „Mann“ kann so im Spiel seinem Alltag für einen Moment entfliehen. (Quelle: Schlaraffia Augusta Trevirorum) Schlaraffia Crefeldensis feierte 2013 den 100 Geburtstag. Die Schlaraffenburg wurde nach Vorbild eines Rittersaals ausstaffiert, die Mitglieder kleiden sich während ihrer Treffen in ritterlicher Manier.

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Blick aus den hinteren Räumen in den Ruheraum der ehemaligen Sauna. Der Saunabereich war mit einer Dampfgrotte, römisch-irischen Bädern und einem Tauchbecken ausgesprochen aufwändig ausgestattet. 3 Mitarbeiter waren dort für die Massagen zuständig. Die Jockeys der Krefelder Rennbahn schwitzen hier, in Gummisäcke verpackt, überflüssiges Gewicht ab. So verfügte die Samt- und Seidenstadt Krefeld über einen Wellnesstempel, als der Rest der Welt davon noch nie gehört hatte.

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Doch das Stadtbad stellte im Laufe der Zeit auf Fernwärme um. Das war der Anfang vom Ende, vermutete Herrn Borg. Da nun das hauseigene Kesselhaus nicht mehr genutzt wurde, konnten die notwendigen 50° nicht mehr erreicht werden. Hier zu sehen eines der wenigen Hinterlassenschaften von Sprayern, aus der Zeit als das Bad noch ein echter Lost Place war. Leider kein besonders beeindruckendes Kunstwerk.

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Auch hier einer der hinteren Räume. Der Fußboden mit den wunderschönen Intarsien Mustern und die Wände klassisch in blau-weiß gehalten.

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Auf dem Weg nach draußen schnell noch ein letzter Blick durch trübe Fensterscheiben auf die allgegenwärtige Natur und dem Verfall anheim gefallenes Mauerwerk.

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Es gab zwei große Schwimmbecken, die von der Gerberstraße aus erreicht werden konnten. Zum Abschluss nun noch der Weg in Freie ... Das 1925 eröffnete Freibad wurde von Ludwig Lubszynski und Walter Bollert entworfen. Springbrunnen, Säulen mit Emporen und Wasserspiele vervollständigten das imposante und verschwenderische Erscheinungsbild. Das größere der Becken im Freibad hatte Wettkampfmaße, so das hier auch internationale Wettkämpfe stattfinden konnten.

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Im Oktober 1944 zerstörte mindesten eine Sprengbombe das Freibad. Nach dem Krieg fand 1946 eine zweckmäßig einfache Instandsetzung statt. Das komfortlose Hinterhofambiente führte dazu, dass die Badegäste es sich mit ihren Badetüchern einfach auf den Betonflächen bequem machten. Allerdings tat dieser Umstand der Beliebtheit des alten Krefelder Freibades offensichtlich keinen Abbruch. Historische Bilder siehe unten ...

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Wiltrud Urselmann, die 1960 als Olympiazweite über 200-Meter-Brust wurde, soll ihren Weltrekord hier im Freibad auf der 33,3 Meter langen Bahn aufgestellt haben. Martha Geneger, am 11.11.1911 in Krefeld geboren, die 1936 eine Silbermedalie über die selbe Disziplin in Berlin gewann, hat ebenfalls an der Neusser Str. trainiert (vgl. Link). Offensichtlich war Krefeld seinerzeit eine Hochburg des Schwimmsport in ganz Deutschland.

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Wie ein beschaulicher Teich präsentieren sich die ehemaligen Schwimmbecken mit zahlreichen Seerosen dem neugierigen Besucher. Es bestehen Überlegungen, diese so zu belassen und der Natur einen Raum zu geben. Offensichtlich haben schon verschiedene Fische hier ein neues Zuhause gefunden.

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Wie ein Mahnmal aus längst vergangenen Tagen erhebt sich der alte Sprungturm mit üppigen Efeuranken aus der noch verwilderten Natur des Freibades. Für mich hatte der Anblick etwas Märchenhaftes ... Weniger Märchenhaft sondern eher zupackend und wirklichkeitsnah ist die Arbeit des freischwimmer e.v. Diese verfolgen ihr Ziel, das alte Stadtbad neu zu entdecken und mit kreativen Aktionen in einer Art Zwischennutzung zu beleben. Hierzu finden unterschiedlichste Aktionen statt. Siehe hierzu Link:

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Auf eigene Gefahr ist auch ein Besuch an diesem außergewöhnlichen Ort. Er macht süchtig. Süchtig nach mehr Fotos, nach mehr Zeit dort zu verbringen und noch mehr verborgene Schätze aufzuspüren. In den Sommermonaten buddeln sich hier bis zu 40 ehrenamtliche Helfer durch die wild wachsende Natur und schaffen so grüne Oasen für die Krefeld*innen. Mehr dazu siehe Link:

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Ein wenig bizarr macht alte Sattelitenschüssel auf sich aufmerksam und erinnert den Besucher an früheres buntes Treiben, an heiße Sommer und für viele Krefelder Bürgerinnen und Bürger an längst vergangene Kindheit.

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Die weitläufigen Außenbereiche des alten Krefelder Freibades werden zu neuem Leben erweckt. Die freiwschwimmer e.v. starteten ab 'Ende Februar 2020 eine gemeinsamen Bad-Initiative. Es wurde sozusagen die Bad Saison eröffnet. Unter dem Titel Frei-Tag z.B. fand jeden Freitag von 17-20 Uhr auch unter Coronabedingungen ein freies Picknick statt. Die Krefelder Bürger*innen konnten mit wieder belebtem Strandfeeling erholsam ins Wochenende starten.

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Schön, dass du es bis zum Ende geschafft hast :-). Ich nehme es als deine Wertschätzung. Wertschätzung ist eine der schönsten Formen der Anerkennung. (Ernst Ferstl)

Altes Stadtbad Krefeld auch auf Facebook

Altes Stadtbad Krefeld - Historische Aufnahmen

 

Villeroy & Boch Mosaikfabrik in Mettlach an der Saar
Die Geschichte der Fliese

 

An dieser Stelle bedanke ich mich für die freundliche Unterstützung der Firma Villeroy & Boch bei der Recherche über die Geschichte und die Herstellung der wunderschönen Wand- und Bodenfliesen. Mit der genauen Bezeichnung  zusammen mit der Beschreibung der Herstellung der berühmten Mettlacher Bodenplatten bekommt man einen Eindruck der Aufwendigkeit der Herstellung und der Exklusivität der Fliesen. Mit Wilhelm Joliet, der 1962 seine Meisterprüfung als selbstständiger Fliesen-, Platten- und Mosaikleger ablegte und sich zunächst in Oberpleis/Siegkreis niederließ, hat sich eine besondere Fachkraft gefunden. Er erarbeitete spezielle Handbücher für die Ausbildung und leitete Fachseminare an Meisterschulen der neuen Bundesländer. Im Weiteren ist er als  Gutachter  tätig  und  verfolgt  als  Fliesenforscher  in Europa die Spuren des alten

Handwerks. Den Wert der Mettlacher Bodenplatten kann nur der ermessen, der die fast ausschließlich in Handarbeit erbrauchte Fertigung kennt. Schablonen, die das Dekor darstellen werden in einen Stahlbehälter eingesetzt. Darüber wird eine Abdeckschablone gesetzt. Nun werden die pulverförmigen      einzelnen

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Farbschichten nach der Mustervorgabe eingefüllt. Nachdem die Metallschablone herausgezogen wurde, wird die Hinterfüllmasse aus gröberem ungefärbten Steinzeug Tonpulver eingeschüttet. Anschließend erfolgt die Hochdruckpressung bei ca. 250  bar und Brand im

Ofen bei 1.100 - 1.200 °C.

Außer dem Brennen wurde eine Mettlacher Platte ausschließlich in aufwändiger und achtsamer Handarbeit hergestellt.

Im Originalpreisverzeichnis (01/1896) von Villeroy & Boch wird das Herstellungsverfahren so beschrieben: "Unsere sämtlichen Platten werden trocken aus Staub gepresst mit Zusatz von Feldspat angefertigt und in Weißgluthitze gebrannt, so dass dieselben eine geschmolzene und verglaste Masse bilden.“

Unter §1 des Preisverzeichnisses findet man die Beschaffenheit der seit 1852 gefertigten Steinzeug Platten wie folgt beschrieben: „Die Platten sind in hartgebrannter Steinmasse so hart und dauerhaft hergestellt, dass sie Funken am Stahl geben und jedem Einfluss der Witterung widerstehen. Die Farben sind 2-3 mm tief eingebrannt, treten sich daher auch bei stärkster Abnutzung nicht aus. Die Dauerhaftigkeit der Massen, die Schönheit der Färbung und die große Sorgfalt beim Sortieren sichern den Platten den Vorzug vor allem ähnlichen Material.“ Laut Auskunft der Firma Villeroy & Boch wurden die Fliesen für das Stadtbad um 1890 einmalig in Mettlach angefertigt. Im Verzeichnis der größeren Bauten, in welchen Mettlacher Mosaik- und Wand-Platten, Verblender sowie Stiftmosaiken aufgeführt sind, ist vermerkt, dass Crefeld 1889 190 m² Bodenfliesen erhalten hat. Angaben über die Menge an Wandfliesen finden sich hier nicht. Einige der verwendeten Muster lassen sich bis in Musterbuch der Firma Villeroy & Boch aus dem Jahr 1886 zurück verfolgen. Siehe hier zu unten stehende Galerie.

(www.geschichte-der-fliese.de)

Ein besonderes Dankeschön gilt dem Fliesenspezialisten Herrn Wilhelm Joliet, der mich kurzfristig bei der Suche nach speziellen Mustern, die im Stadtbad Krefeld verwendet wurden, nicht nur unterstützt, sondern mir auch erlaubt hat, diese in meinem Bericht zu veröffentlichen.

Die der Mappe mit den Musterblättern befindet sich in der Württembergischen Landesbibliothek Stuttgart.

Die ist ein interessanter und wichtiger Teil im Umgang mit verlassenen Orten, allerdings auch zeitaufwendig.

Urbex Art Photografie