Karsten Breidenbroich - MalKarsten

Ich will doch nur malen

 

"Hi, du möchtest etwas über "mein Araberhaus" in der Kiefernstraße wissen?

Gerne :-). Kann ich dich heute Abend zurück rufen?"

So einfach war es, mit Karsten Breidenbroich, dem Künstler der Kiefern 12, in Kontakt zu treten. Ein paar Tage hat es dann noch gedauert, bis das Telefonat zustande kam. In einem offenen, lockeren Gespräch erzählte mir Karsten nicht nur vom "Making Off" seines Hauses, sondern auch ein wenig von sich selbst, seiner Art zu Malen und davon, dass er in Krefeld geboren wurde und dort auch viele Jahre gelebt hat, bevor es ihn auf die andere Rheinseite nach Düsseldorf zog.

Wenn du ein wenig mehr über MalKarsten, der auszog, um die Welt bunt zu malen, wissen möchtest, schaue hier: 

Die Entstehungsgeschichte des "Araberhauses" findest du in der Bilder Galerie. Dazu einfach auf die Bilder klicken.

Danke an dieser Stelle auch an den Fotografen Jürgen-Wintermantel-Menze, der seinerzeit Karsten fotografisch bei der Gestaltung "seines" Hauses in der Kiefernstraße begleitet hat und mir erlaubt hat, seine Bilder für diesen Bericht zur verwenden. Ein Bericht, der ohne diese Bilder nicht zustande gekommen wäre. 

 

Karsten Breidenbroich, ein Multitalent in Multicolor.

"Eine eigene Meinung, Farben und Tageslicht - das ist mir wichtig." sagt MalKarsten in einem Interview der

NiederRhein EDITION ONLINE.

Sein kleinstes Bild sei 70 x 100 cm. "Irgendwann male ich die ganze Welt an." Mit der riesigen Häuserfassade an der Kiefernstraße 12 hat er im September 2016 zumindest ein überdimensionales Bild geschaffen. Karsten malt Menschen und Tiere aber auch abstrakte Motive.

Schlecht zu erreichen sei er, konnte ich in verschiedenen Interviews nachlesen. Er möchte gefunden werden. Ständige Präsenz und Erreichbarkeit seien nicht so sein Ding. Man würde seine Werke nicht einfach so auf Knopfdruck im World Wide Web finden, lieber packe er seine Werke ein und fahre zum Interessenten.

 

Ok, habe ich mir gedacht. Mein eigentliches Ziel ist es ja, mehr über die Kunstwerke der Kiefern heraus zu finden. Wer hat was, warum und wann gemalt. Kann ja nicht so schwer sein, überlegte ich mir. Fast alle Häuser haben ein Schild u.a. mit dem Namen der Künstler unter der Haus Nr., frage ich mal höflich nach, vielleicht habe ich ja Glück . Bei Karsten war es, wie oben schon erwähnt, total einfach. Unverhofft kommt oft :-).

 

So konnte ich nicht nur das "Making Off" der Kiefernstraße 12 zusammen stellen, sondern habe einiges Persönliches erfahren und hatte einfach ein interessant freundliches Gespräch mit einem besonderen Menschen.

Doch wer genau ist denn nun dieser MalKarsten, den man offensichtlich gern in farbbespritzter Kleidung antrifft?

 

Geboren 1972 und aufgewachsen in Krefeld, tat sich Karsten Breidenbroich schon in der Grundschule kreativ hervor. Im musikalischen Bereich begann er mit einem Xylophon und landete später bei der Gitarre, die er offensichtlich auch heute noch gern spielt. Im Laufe des Erwachsenwerdens kristallisierte sich für ihn heraus, aus seiner künstlerischen Begabung einen Beruf zu machen. Er studierte an der Düsseldorfer Fachhochschule erst Betriebswirtschaft, dann Innenarchitektur und zog nach seinem Studienabschluss nach Düsseldorf, wo er 10 Jahre mit großer Begeisterung in seinem erlernten Beruf als selbstständiger Innenarchitekt arbeitete.

Doch dann erkrankte vor ca. 11 Jahren sein Vater an Krebs. Er begleitete ihn durch diese schwere Zeit, kam selber ins Grübeln und erkannte wie wichtig es sei, Menschen, die einem wichtig sind, dieses auch spüren zu lassen und nicht zu warten bis es vielleicht zu spät ist. Etwa  zum gleichen Zeitpunkt hörte Karsten von Zombie Boy, einem bekannten kanadischen Performancekünstler und Model, der ebenfalls einen schweren Schicksalsschlag meistern musste. Wie sein Vater erkrankte dieser an Krebs. Nach Erhalt der Diagnose hätte er nicht nur gemodelt sondern auch nach und nach seinen ganzen Körper tätowieren lassen. Ein halbes Jahr später sei der Krebs verschwunden. Beeindruckend ...

 

Etwa zu diesem Zeitpunkt fiel für Karsten die Entscheidung, aus seinem geregelten Arbeitsleben auszuscheiden und sich der Kunst zuzuwenden. Zum Glück war sein Vater inzwischen genesen. Zombie Boy ist leider durch einen Sturz von seinem Balkon im August 2018 ums Leben gekommen. Karsten bedauert, dass er ihn nicht persönlich kennen lernen konnte, seine Bilder hat Zombie Boy aber auf Facebook gelikt, eines offensichtlich einen Tag vor seinem Tod. Sein mit einer Totenkopfdarstellung tätowiertes Gesicht diente Karsten als Vorlage für eines seiner düster angehauchten Bilder. Seelenverwandtschaft unter Künstlern ...

Aus Karsten Breidenbroich wurde MalKarsten, der sich offensichtlich immer noch wundert, wenn er z.B. in einer Düsseldorfer Kneipe angesprochen wird und um ein gemeinsames Foto gebeten wird. MalKarsten ist eigentlich viel bekannter als er sich selber wahr nimmt.

Eine der ersten Schlagzeilen, die mich beeindruckten,  waren der Hinweis, dass zu seinen Kunden u.a. Sylvester Stallone, Mickey Rourke und Cher gehören würden. Da bin ich natürlich neugierig geworden. Karsten erzählt, dass er seine Bilder in einer Bar in seiner Gegend ausgestellt habe, wo ein Modedesigner der Fashion Week auf ihn aufmerksam wurde. Seine Bilder sollten den Laufsteg säumen und Backstage solle er Sakkos bemalen. Die Modedesignerin von Sylvester Stallone, der in 2012 sein Modelabel "Sly Inc" ins Leben rief, Silvia Fritz, beeindruckten Karstens Werke. Sie schickte kurzerhand einige Fotos an Sly, der sich postwendend telefonisch bei Karsten meldete, ihn nach L.A. einlud und ihn in die dortige Künstlerszene einführte. Ein Sakko mit dem Konterfei von Sly war eine gern gegebene Gegenleistung. Für MalKarsten war das natürlich eine faszinierende Begegnung, obwohl er zugibt, dass er schon Herzklopfen hatte. Dass er ausgerechnet an seinem 45. Geburtstag in L.A. war, macht die Reise nur noch spannender. Bei der Übergabe des Sakkos an Sylvester Stallone war auch Nina Hagen anwesend, die am gleichen Tag Geburtstag hatte. Auf der dortigen Fashion Week konnte Karsten dann alle künstlerischen Freiheiten genießen. Unter der Fittiche von Sly erkundete er die Künstlerszene von L.A. und verschönerte etliche Klamotten mit seiner Kunst. Einen zweiten Malauftrag gab Sly an Cher weiter. Jacken für Kate Perry, Mickey Rourke und Rolf Möller folgten. Da die verwendeten Acrylfarben wasserfest und bei 40° waschbar sind, steht der weiteren Herstellung von individuellen Designerstücken nichts im Wege, ein Original "MalKarsten" eben,  Zwar nicht ganz billig, aber außergewöhnlich, auch für den normalen Bürger erschwinglich. Ich liebe besonders seine Bilder mit den so lebendigen Affenporträts. Am Muttertag 2021 besuchte Karsten den Krefelder Zoo, um Studien über das Wesen dieser interessanten Tiere zu betreiben, wie er mir freimütig am Telefon erzählte. Gerne könne ich dazu kommen. Leider konnte ich dieser besonderen Einladung aufgrund eines privaten Termins nicht nachkommen, zeigt sich so jedoch seine Offenheit seinem Publikum gegenüber. 

 

... und was inspiriert so einen Ausnahmekünstler wie Karsten aus Düsseldorf?

 

Das Leben an sich, meint er. Bei ihm hört sich alles so einfach, so unprätentiös an und doch sind seine Werke auf so unterschiedliche Art faszinierend. Beim Weg von einem Ort zum anderen findet er Inspiration genug, erklärt er. Manchmal, manchmal halt nicht, aber auch nicht so schlimm. Sich ein Bild und seine Bedeutung mittels eines beigefügten Textes zu erarbeiten, ist nicht so sein Ding. "Wenn ich etwas sagen will, dann rede ich, dafür ist die Sprache recht eindeutig."

Dieser Ausspruch fasziniert mich absolut, gibt er mir doch die Möglichkeit eine ungezwungeneren Focus auf ein Kunstwerk. So avancierte MalKarsten zu einem Geheimtipp nicht nur in der US-amerikanischen Künstlerszene.

 

Karsten wohnt in der 3. Etage eines Altbaus in der Düsseldorfer Innenstadt. Zu diesem Haus gehört ein wunderschöner Innenhof und eine Halle, einst gedacht für die Meisterschüler der Kunstakademie. Ursprünglich wurden 4 Etagen künstlerisch genutzt, aktuell sind es 2 Etagen. Neben Karsten Breidenbroich wohnt dort noch ein enger ehemaliger Mitarbeiter des Düsseldorfer Künstlers Jörg Immendorf, während die übrigen Wohnungen von nicht künstlerisch tätigen Mitbürgern bewohnt werden.

 

Seine Bilder malt er in 3D-Optik, seine Gefühle sind intensiv. "Schon das Bespannen eines Holzrahmens mit der Leinwand löst in mir ein Glücksgefühl aus. Beim Malen spüre ich, dass ich lebe. Irgendwann male ich die ganze Welt an."

Bis nach Amerika hat er sich schon gemalt, den Rest wird er auch noch schaffen. Seine erste mit Farbklecksen verzierte Hose mag noch Zufall gewesen sein, mittlerweile ist dieses farbenfrohe Design sein Markenzeichen.​

 

Letztendlich ist es genau das, was ihn glücklich macht, erzählt Karsten. Das Malen und nicht das Geld. Gut, seine Kleidungsunikate lassen sicherlich den Rubel rollen, aber letztendlich wird es wieder in Farbe und Material umgesetzt und schafft so neue Kunst und neue Freude. Wäre Geld für ihn das Wichtigste, so würde er es sich malen, erklärte er in einem Interview mit Petra Verhasselt für die NiederRhein Edition online im vergangenen Jahr. Seine Lebensgefährtin Spoo, ebenfalls Künstlerin, Werbefachfrau und Kommunikationsdesignerin bringt es auf den Punkt. Das verdiente Geld ist nur "intermediate medium", ein Zwischenmedium, ohne das künstlerische Arbeit nicht möglich ist. Leinwände und Farbe wachsen schließlich nicht auf Bäumen. Die Kunst aber, die Karsten erschafft, ist unvergänglich, sie ist ewiglich. Die Wertschätzung, die Menschen seiner Kunst entgegen bringen, ist für Karsten der wichtigste Faktor. Er verdeutlicht, dass ihm z.B. der etablierte Kunstmarkt ziemlich egal sein. Er malt, und damit ist gut. Er malt auch für dich und mich, eine Wand, ein T-Shirt, sprich ihn an, es wird ein besonderes Erlebnis sein, das jeden Cent wert ist.

 

Spontan fällt mir dazu ein Spruch ein, der Albert Einstein zugeordnet wird:

"Kreativität ist Intelligenz, die Spaß hat." 

Dem habe ich nichts mehr hinzufügen :-).

 

Krefeld, Juni 2021

Quellen/Einzelnachweise:

1. Telefon Interview Samara Blue 17.05.2021

2. Interview Blog&Art vom 17.02.2020

3. NiederRhein Edition Online 02/2019, Text: Petra Verhasselt

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