Luisa Estrada - Mexiko

 

Fast wie eine Stadt in der Stadt wirkt Luisa Estradas Straßenzug. Schlicht aber prägnant in schwarz/weiß gehalten präsentiert sie "unsere Blumenstraße".  Künstler Infos (...)

Luisa Estrada's street looks almost like a city within a city. Simple but concise in black and white, it presents "our flower street". artist information (...)

Anmerkung: Die Blumenstraße in Krefeld hat sich Luisa Estrada als Vorbild für ihre "black and white" Gestaltung eines länglichen Stücks der Fassade genommen. Wenn man bei Google einen Blick auf die Blumenstraße/Ecke Moerser Str. wirft, kann man leicht ihren genauen Standpunkt erkennen.

Mit den Seidenwebern, die dort in den Häusern an ihren Webstühlen gearbeitet haben, schafft sie nicht nur die Verbindung zur Samt- und Seidenstadt Krefeld sondern auch direkt zum Seidenweberhaus.

Kurzinterview Luisa Estrada

Luisa: "Hallo Kerstin, vielen Dank für Ihr Interesse an meiner Arbeit in Krefeld. Gerne beantworte ich Ihre Fragen zu meinem Bild."

Ich würde gerne wissen, warum Sie sich für die Blumenstraße entschieden haben.

Luisa: "Ich habe etwas Charakteristisches für die Stadt gesucht, obwohl ich Krefeld nicht kenne, arbeite ich gerne mit dem, was ich aus meiner eigener Perspektive als typisch für für den jeweiligen Ort wahrnehme. In den Städten gibt es immer sehr typische Dinge z.B. in der Architektur. Diese kann in den verschiedenen Ländern sehr unterschiedlich sein. Verschiedene Farben und Baustile zeigen typische Landesmerkmale. Daneben sind die einzelnen Funktionalitäten wichtig für die Städte. Dort  spiegelt sich auch die Kreativität der Bewohner dieser Städte wieder. In diesem Fall fand ich bei der Überprüfung von Google Maps die Blumenstraße attraktiv und interessant und beschloss, diese darzustellen. Am Ende hört es auf, dieser Ort zu sein, und das Gemälde wird ein Spiegelbild der Stadt selbst, es ist Dekor, ein Spiegelbild derer, die dort leben."

Anmerkung: Diese Intention hat mich ein wenig überrascht. Luisa transportiert hier mit Leichtigkeit ein "einfaches" Straßenbild in ein interessantes, dekoratives Kunstwerk und animiert mich als Zugereiste in Krefeld, mich einmal mehr in die Geschichte der Stadt Krefeld zu vertiefen.

Haben Sie den Ort für das Foto selbst ausgewählt?

Luisa: "Ja, ich fand diese Stelle passend für mein Projekt."

Konnten Sie Krefeld etwas besser kennen lernen?

Luisa: Nicht wirklich, nur die Route, die uns vom Hotel zum Gebäude führte, in dem wir gemalt haben. Ich freute mich darauf, das Josep Beuys Museum zu besuchen.

Gerne frage ich die Künstler nach Anekdoten, Pannen, besonderen Momenten und manchmal auch danach, mit welcher Farbe diese malen/sprayen.

Luisa: Perfekt. Wenn Sie an Veranstaltungen teilnehmen, bei denen mehrere Menschen zusammen arbeiten, ist alles eine Anekdote, jeder Moment wird relevant und Teil dieser Geschichte. Am Anfang, wenn alles beginnt, nähert man sich allmählich den anderen, mit großer Neugier um zu erfahren, wer sie sind und was Sie tun. Für mich war es das erste Mal, dass ich eine Schere oder einen Kran benutzte. Ich war etwas nervös, aber zum Glück lief alles gut und ich benutzte diese Maschine gerne.

Im Allgemeinen hat mir das Malen sehr viel Spaß gemacht und ich war mit dem Ergebnis zufrieden. ich habe vorher nur sehr wenige Male Wände bemalt, daher war es für mich eine besondere Erfahrung, zu diesem Event eingeladen zu werden. Für meine Darstellung habe ich eine Reihe von Grautönen verwendet. Normalerweise arbeite ich so beim Gravieren, also habe ich die Landschaft, die tatsächlich violette Farben hatte, auf diesen Bereich reduziert.

Wenn ich Ihre Antwort richtig verstehe, hat Ihr Bild keinen direkten Bezug zu Beuys, oder?

Luisa: Das Bild hat etwas entfernt mit Beuys zu tun, vielleicht ein wenig weiter hergeholt. Ich stütze mich auf die Aussage von Beuys, das jeder Kunst machen kann. Mit seiner sozialen Skulptur sagte er außerdem, dass Kunst ein mögliches Werkzeug der sozialen Transformation sei. Unter diesen beiden Prämissen denke ich, dass es möglich und interessant ist, seine Stadt, seine Straße, sein Haus mit einem anderen Blick und/oder aus einer anderen Perspektive zu sehen kann.

In diesem Fall aus der Perspektive des Ausländers und von oben. Alles ist möglich, etwas neuartig, anderes und vielleicht wird es sogar schön. So sehen wir nicht nur das gleiche alte Krefeld, sondern die Kreativität derer, die bauen, steckt darin. Derer, die diese eigentümlichen und originellen Räume bewohnen, die das Ergebnis einer künstlerischen Konstruktion sind. Eine Konstruktion, die sich mit der Zeit gebildet hat. Wenn wir weiter gehen und an eine ferne Zukunft denken, in der wir vielleicht nicht mehr sind, aber es noch einige Ruinen geben wird, werden wir all dies als Erinnerung an vergangene Leben sehen und es wird es sein, dass die Architektur oder Überreste davon am Ende Kunst ist."

Ihr Stil in schwarz-weiß gefällt mir sehr gut. Jemand sagte, so malen Sie immer. Was hat Sie dazu bewogen? 

Luisa: "Nun, ich bin kein wirklicher Maler. Ich bin Graveur. Ich graviere auf Linoleum, geschäumtem PVC, Metall usw. . Ich habe andere Male im öffentlichen Raum gemalt, aber mehr als Malerei habe ich großformatige Zeichnungen gemacht. Ich kann sagen, dass ich in Krefeld das erste Mal wirklich gemalt habe. Da ich das Thema in mir leicht zugänglichen Grautönen erarbeiten konnte, habe ich diese Übung sehr genossen."

Anmerkung: Diese eigenwillig, klassische Darstellung der Blumenstraße gefiel mir gleich von Beginn an, als die ersten Umrisse skizziert wurden. Die Schwarz/Weiß Darstellung ist so anders als die anderen teilweise farbgewaltigen Darstellungen. Erstaunlich und bemerkenswert, dass die Künstlerin gar nicht unbedingt aus der Streetart Richtung kommt. Sie gibt uns Krefeldern ein Stück Krefeld als Kunst an die Hand und stellt es dem Betrachter frei, dieses Bild mit Beuys zu verbinden oder es einfach nur schön zu finden.

Gibt es einen Titel für Ihr Bild?

Luisa: "Nicht wirklich. Es könnte "schwarz auf weiß Blumenstraße" heißen."

Quelle: Luisa  Estrada persönlich

Anmerkung: Am Schluss noch ein wenig geschichtliches zur Blumenstraße in Krefeld.

Gesicherte Erkenntnisse, woher die Blumenstraße ihren Namen hat, gibt es wohl nicht. Es wird vermutet, dass der Name auf die Gärten außerhalb der damaligen Stadtmauern

bezieht. Die Straße gibt es seit dem 18.07.1837.

In der Blumenstraße gab es mehrere Häuser mit Hauswebern. Die Bedeutung der Hausweberei lebte zum letzten Mal zur Zeit des deutsch-französischen Krieges eine Hochzeit. Ärmere Weber aus dem Umkreis zogen nach Krefeld und benötigten dringend preiswerten Wohnraum. Zwischen Westwall und der Ringstraße entstanden u.a. auch 40 Häuserblocks in der Blumenstraße. Hinter den aufwändig verzierten Fassaden der sogenannten Drei- oder Vierfensterhäuser verbargen sich nicht abgeschlossene kleine Wohnungen ohne Wasser und ohne sanitäre Anlagen. 5-9 Familien sollen so beengt in diesen Häusern gewohnt haben. Da die Weber gutes Licht benötigten, standen die Webstühle an den Fenstern. 

Anfang des 19. Jahrhunderts mit der fortschreitenden Industrialisierung nahm die Bedeutung der Hausweber rapide ab. Vor der der Stadt entstand ein Stahlwerk und des wurde ein Hafen gebaut. Aus Krefeld wurde eine Industriestadt.

Ein wenig des einstigen Charmes der Blumenstraße ist in einigen denkmalgeschützten Häusern erhalten geblieben.

Quelle: WAZ 16.11.2012. Ein Dankeschön an Wolfgang R. Krefeld für die Unterstützung bei der Recherche zu Blumenstraße

 

Künstlerinformation Luisa Estrada

Name: Maria Luisa Estrada Sánchez (Luisa Estrada)

Luisa Estrada ist eine visuelle Künstlerin aus Mexiko City. Die Einwohner und der Lebensalltag in der Großstadt inspirieren sie. In ihrer Arbeit versucht sie die Dynamik und den einzigartigen Charakter, den enormen Maßstab und unnatürliche Landschaften von Städten einzufangen. Luisa favorisiert eine graphische Technik, bei der sie manuell Reliefe in PVC Material, Linoleum und Holz eingraviert und diese auf handgefertigtes Papier druckt.

Sie studierte an der Universidad Nacional Autónoma in Mexiko, (UNAM), 2002-2008, und an der National University of Colombia (2005). Sie erhielt ihren Mastertitel in visueller Kunst an der Academy of San Carlos UNAM 2012. Sie ist Co-Direktorin des Kollektivs Ruta Grafica Mexiko und Mitglied des Sistema Nacional de Creadores in Mexiko City.

Quelle: offizielle Information der Stadt Krefeld

 

Translation Luisa Estrada

Brief interview with Luisa Estrada

Luisa: "Hello Kerstin, thank you very much for your interest in my work in Krefeld. I am happy to answer your questions about my picture."

I would like to know why you chose Blumenstrasse.

Luisa: "I was looking for something characteristic of the city, although I do not know Krerfeld, I like to work with what I manage to identify, from my outside perspective, as something typical of places, in cities there are always things that are very typical of them, architecture For example, it is always different between countries, the colors of the buildings, the architectural styles among many other things, in addition to the functionality that they may have, the creativity of the inhabitants of those cities is also reflected there, in this case when reviewing google maps , I found Blumenstrasse attractive and interesting to represent it. In the end it ceases to be this place and the painting becomes a reflection of the city itself, it is decor, a reflection of those who live there."

Note: I was a little surprised by this intention. Luisa easily transports a "simple" street scene into an interesting, decorative work of art and encourages me, as a newcomer to Krefeld, to immerse myself once more in the history of the city of Krefeld.

Did you choose the place for the photo yourself?

Luisa: "Yes, I did."

Did you meet anything in Krefeld?

Luisa: "Not really, just the route that took us from the hotel to the building where we painted.

I was looking forward to visiting the Josep Beuys museum."

I want to be able to offer the reader added value. That is why I also ask about anecdotes, mishaps, special moments and sometimes also what color is used to paint ;-).

Luisa: "When you are in events where there are more people working, everything is an anecdote, each moment becomes relevant and part of that story, at the beginning when everything begins, one gradually approaches the others, with great curiosity to know who they are and what we do. For me it was the first time that I used a scissors or crane, I was a little nervous about it, but luckily everything went well and she liked using that machine. In general, I really enjoyed painting and I was happy with the result, I have painted walls before but very few times, so for me it was quite an experience to be invited to participate.

For the intervention I did, I used a range of grays, normally I work like that in engraving, so I reduced the landscape that actually had purple colors to that range."

If I understand your answer correctly, your image has no relation to Beuys, right?

Luisa: "The image is related to Beuys, but perhaps in a somewhat far-fetched way, I say it because according to what I was reviewing and from the perspective of Beuys, anyone can make art, and with his social sculpture he says that art is a possible tool of social transformation, with these two premises I think that if one does the exercise of seeing his city, his house, his street with another look or perspective, in this case from the perspective of the foreigner and from above, everything can be somewhat novel , different and perhaps even beautiful, we are not only seeing the same old Krefeld, but the creativity of those who build is implicit in it, of those who inhabit those spaces that are so peculiar and original, that is the result of an artistic construction that has been formed in time, and if we go further, and we think of a distant future, where we may not be, but there are some ruins, we will see all this as a reminder of past lives and it will be archi tecture or vestiges of it that end up being art."

I really like your style in black and white. Someone said this is how you always paint. What made you do it? Is it true that you had the furthest road?
Luisa: "Well, I am not really a painter, I am an engraver, I engrave on linoleum, foamed pvc, metal, etc., that is my real job, and in this job the base is always black, white and the tones between them. .
I have painted other times in public spaces, but more than painting I have made large-format drawings. I can say that in Krefeld it is the first time that I really paint and for me it is easy to solve in shades of gray. I really enjoyed doing this exercise."

Note: I was a little surprised by this intention. Luisa easily transports a "simple" street scene into an interesting, decorative work of art and encourages me, as a newcomer to Krefeld, to immerse myself once more in the history of the city of Krefeld.

Do you have a title for your picture?
Luisa: "Not really, it could be called Blumenstrasse in black and white." 🙂

 

Source: Luisa Estrada personally

You can find the newspaper article here (...).

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