Turbo Urban goes Kiefern 2021

Preview im Red House (K35)  mit Robert "Opty" Roschwig

Streetart I Kiefernstraße I Graffiti I Turbo Urban I Samara Blue Urbex Art I Streetart Düsseldorf

In Zusammenarbeit mit dem 40° Urban Art unter der Ägide des Künstlers und Kurators Robert "Opty" Roschwig finden sich Künstler der urbanen Kunst hier mit Bezug auf Düsseldorf zu einem außergewöhnlichen Event zusammen. Wo sonst findet man so viele außergewöhnliche Streetart und Graffiti Kunstwerke aber auch figurative Darstellungen und Fotos auf engsten Raum in friedlicher Co-Existenz beieinander? Dank weitreichender auch freundschaftlicher Beziehungen in der Szene folgen die Großen und Kleinen, die längst bekannten Künstler und die, die es mal werden wollen dem Ruf der Turbo Urban ins Red House und geben so der 40. Geburtstagsfeier der Kiefernstraße einen ganz besonderen Glanzpunkt. Auch vor dem Hintergrund, dass dieses die erste Ausstellung nach 2019 in chaotischen Zeiten ist.

Ein Dankeschön an "Opty", der sich spontan zu einem Interview bereit erklärt hat und mir so interessante Einblicke in die Szene als solche und in die Ausstellung im Besonderen geben konnte.

Frage: Wie kam es dazu, dass diese Ausstellung im Red House stattfinden konnte?

Opty: Seit ca. 15 Jahren habe ich mit der Kiefernstraße zu tun und fühle mich ihr sehr verbunden. Die letzte aktiv/persönliche Turbo Urban Art Ausstellung fand 2019 statt. Ab dem 20.04.2020 verlegten wir uns dann notgedrungen in den virtuellen Raum, sozusagen "direkt von der Couch". Umso erfreuter haben wir die doch recht spontane Möglichkeit aufgegriffen, den 40. Geburtstag der Kiefernstraße mit zu zelebrieren.

Anmerkung: Bisher sind mir Streetart und Graffiti Kunst nur an Hauswänden, Bahnhöfen, Zügen etc. begegnet. Eben als Kunst im urbanen Raum. Neu in diesem Thema hatte ich bisher noch keine Ausstellung besucht. Aber wie sagt man so schön: "Das erste Mal ist etwas Besonderes." Das war diese Ausstellung, wenn auch als Preview, auf jeden Fall für mich.

Frage: Was meinst zu mit spontaner Möglichkeit?

Opty: Na ja, normalerweise bereite ich so eine Ausstellung mit einer Vorlaufzeit von 2-3 Monaten vor. Hier waren es grad mal 2-3 Wochen. Aber hey, das haben wir auch gewuppt. Es ist ein tolles Gefühl, endlich wieder live am Puls des Geschehens sein zu können.

Anmerkung: Eine komplette Ausstellung in so kurzer Zeit in gewohnter Qualität aus dem Boden zu stampfen zeugt meiner Meinung nach von großer Professionalität. Darauf angesprochen nickt Opty mit einem lockeren Grinsen, alles easy, klappt schon :-). Alle geimpft, Corona Sicherheitskonzept steht, es kann also losgehen.

Frage: Wie seid Ihr im Red House gelandet?

Opty: Das Red House wurde seit ca. 10 Jahren nicht mehr genutzt, war sozusagen die Rumpelkammer der Straße. Mit der Turbo Urban Gallery werden die ca. 100m² endlich wieder belebt. Im Anschluss wird die Anwohnergemeinschaft weiter überlegen, wie das Red House weiter gelebt werden kann.

Anmerkung: Einem Gespräch unter Anwohnern zu urteilen, soll es wohl keine Kneipe mehr sein. Lassen wir uns überraschen. 

Frage: Hast du ein festes Team und wie kommen die Künstler zu dir?

Opty: Im Laufe der Jahre wechselt natürlich das Team. Im Moment sind Sven und BigB dabei und geben alles, um pünktlich zur Eröffnung alles bestmöglich zu präsentieren. Seit Jahren halte ich guten wenn möglich freundschaftlichen Kontakt zu vielen Streetart und Graffiti Künstlern nicht nur aus Düsseldorf. Er ist sozusagen die Schnittstelle für alle Künstler und das Team. In diesem Jahr sind es "magische" 40 Künstler. 40. Geburtstag Kiefernstraße, 40° Urban Art Festival und last but not least beginnt die PLZ von Düsseldorf mit einer 40...! 

Anmerkung: Okay, auf die Idee mit der PLZ wäre ich jetzt nicht  gekommen ;-). Auch die Tatsache, dass hier bei Opty auch mal Künstler friedlich nebeneinander hängen, die im wirklichen Leben nicht unbedingt Freunde sind, spricht für die Kompetenz des Kurators Robert Roschwig, nicht nur in künstlerischer Hinsicht. Es hängen große Künstler neben kleinen, bekannte Sprayer neben solchen, die es vielleicht einmal werden wollen. Einige Künstler sind Wiederholungstäter und begleiten die Turbo Urbans über einen langen Zeitraum, aber auch neue Gesichter sind immer wieder dabei und werden problemlos in die kreative Gemeinschaft aufgenommen.

Frage: Nach welchem Prinzip hängst du die Bilder auf?

Opty: Ich/wir möchten dem Besucher einen 100% Mehrwert vermitteln, d.h. dass möglichst viele Stilrichtungen abgedeckt werden, dass für jeden Besucher, jung und alt, fachkundig oder einfach nur neugierig etwas dabei ist. Es gibt Gespraytes, Gemaltes und Geklebtes, aber auch Fotos und Skulpturen.

Hierzu eignet sich hervorragend die "Petersburger Hängung". Auch Salonhängung genannt, geht diese Art der Bildaufhängung auf die St. Peterburger Erimitage zurück. Man hatte das Bedürfnis, immer mehr Bilder z.B. von Familienangehörigen malen und zur Schau stellen zu wollen. Der Platz war beengt und ein Bild wurde über das andere gehängt. Manchmal waren die Wände bis unter die Decke ausgefüllt. Der Betrachter sollte durch Menge der Bilder beeindruckt werden.

Trotz allem unterliegt diese Art der Hängung einem durchdachten Prinzip. Ich schaue mir alle zur Verfügung gestellten Kunstwerke im Vorfeld an und lasse sie auf mich wirken. Jeder Künstler bekommt einen Platz von ca. A2 zugestanden. Die Zusammenstellung erschließt sich dann nach Themen, Bauchgefühl und Intuition. Themenkreise werden passend zusammen gestellt. Im Laufe der Ausstellung kann es immer wieder vorkommen, dass ich etwas umhänge, dass sich neue Zusammenhänge ergeben. So wird es auch für wiederkehrende Besucher nicht langweilig. Man kann immer wieder kommen und etwas Neues entdecken. 

Die Ausstellung muss leben!

Anmerkung: Dass man viele Bilder an eine Wand hängen kann, war mir wohl bewusst. Aber mit der Erklärung für diese spezielle Hängung habe ich ein andere Sichtweise hierzu bekommen. Es hängen nicht nur einfach Bilder verschiedener urbaner Künstler an den Wänden, sie werden auch mit Überlegung zusammen gestellt. Da gibt es die Radfahrerin von Rumi, die sich scheinbar müde an ihr Rad stützt und direkt in das rechts neben ihr hängende Bild, auf den Fürstenplatz, schaut.  So "leben" die Bilder sozusagen in einer Symbiose, die manchmal durch Opty ein wenig verändert wird. Die Ausstellung lebt!

Frage: Gibt es Besonderheiten, die euch am Herzen liegen, bei euren Ausstellung?

Opty: Bei jeder Ausstellung gibt es eine Gästewand. Hier können sich die teilnehmenden Künstler während der Aufbauphase kreativ verewigen, wenn sie mögen. Es gibt keinen Zwang und keine Vorgaben. Bei einer vergangenen Ausstellung z.B. wurde nur in grau und schwarz Tönen gesprayt/gemalt. Hier habe ich einige Farben bereit gestellt und die Künstler gebeten, nach eigenem Ermessen Farben mitzubringen.

Ach ja, die Gans :-), das ist unser Maskottchen.

Anmerkung: Ja, die Ausstellung lebt, absolut. Auch wenn mir selbst einige Bilder erst zu Hause beim Bearbeiten am PC besonders auffallen. Aber das geht mir oft so und ich finde das auch ganz in Ordnung.

Erwähnen möchte ich noch die Gedenkwand, die, wie mir BigB erklärte, bei keiner Ausstellung fehlen darf. Mit "Rest in Peace" überschrieben erinnert man sich mit einem Werk von Benni Peacemaker an die Weggefährten, die den gemeinsamen Weg endgültig verlassen haben.

Frage: In wenigen Worten, was macht den Zugang zu Graffiti & Co. für die Kids so  interessant?

Opty: Der Zugang zu Graffiti ist eigentlich im Gegensatz zu anderen Hobbies ziemlich leicht. Auch wenn nicht viel Geld vorhanden ist, findet sich immer irgendwo eine Spraydose oder einen Edding. Das Interesse für die Spraykunst geht quer durch alles soziale Schichten.

Die Kids liegen uns auch am Herzen. Wir planen mit dem Kinderclub ein Gesamtkunstwerk im Querformat zu erstellen und in die Ausstellung zu integrieren.

Anmerkung: Im Kids Club (K21) finden immer wieder Workshops statt, in denen verschiedene Künstler die Kids an den Umgang mit Farben und der Kunst heranführen.  Die strahlenden Gesichter der Kids sprechen eine deutliche Sprache.

Frage: Die Kiefern feiert 2021 ihren 40. Geburtstag. Du bist mit 34 Jahren jünger als die Kiefern. Wie fühlt sich das für dich an, jetzt hier ausstellen zu können?

Opty: Ich bin ja schon ca. 15 Jahre auf der Kiefernstraße. Ich empfinde eine tiefe, wundervolle, manchmal etwas "creepy" Verbindung mit der Straße, den Menschen und dem Leben hier in dieser außergewöhnlichen Straße.

Anmerkung: Als Nichtdüsseldorfer und noch Neuling im Thema Streetart/Graffiti empfinde ich die Kiefernstraße mit ihren über einen langen Zeitraum "gewachsenen/bemalten" Häuser durchaus als einen Fixpunkt im künstlerischen Leben nicht nur in Düsseldorf. Zumindest ist sie für mich der Ausgangspunkt für meine Bilddokumentationen rund um die Themen der Urbanen Kunst. Hier vor Ort sind meine ersten Bilder entstanden ;-)

Wenn ich mit der Kamera unterwegs bin, freue ich mich immer, wenn ich Menschen finde, die sich ablichten lassen. Das macht  für mich ein Thema oder einen Bericht erst richtig vollständig. Nun lässt sich aber nicht jeder, der mir vor die Kamera kommt, fotografieren, was ich natürlich akzeptiere. Der tiefere Grund hingegen war mir bis heute nicht wirklich bewusst. Dass für viele urbane Künstler nicht die Wiedererkennung seines Gesichtes sondern die seiner Tags, seiner Schriftzüge, seiner Werke erstrebenswert ist. Man lebt die Anonymität, vergleichbar mit dem Bansky-Effekt. Ich gehe durch die Stadt und sehe Bilder, von denen ich weiß, wessen Handschrift sie tragen. Allein er könnte neben mir stehen und ich würde ihn nicht erkennen. Schade für mich aber danke an Opty für die Erklärung und für den Buchtipp. Das Buch ist beeindruckend.

Urbex Art Photografie