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Kiefernstraße 19 | Raster#1

Ben Mathis

Anfang Raster
Anker 1

Die Kiefern 19 ziert eine geometrisch wirkende Fassade in verschiedenen Grüntönen, die mich beim ersten Betrachten spontan an ein Schottenmuster denken ließ. Natürlich wollte ich wissen, wie man auf die Idee kommt, ein ganzes Haus mit einem solch außergewöhnlichen Muster zu gestalten.

Ben Mathis beantwortete mir diese Frage in einem entspannten Telefoninterview im Juni 2021.

Bei dem Motiv handelt es sich um das sogenannte Hermann-Gitter, eine klassische optische Täuschung. Ein ebenso faszinierendes wie spannendes Thema, dessen Erklärung hier allerdings etwas zu weit führen würde. Für ein großflächiges Mural eignet sich dieses Prinzip jedoch hervorragend.

Wer mag, kann dem Link folgen und sich täuschen lassen ;-)   

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Diese Fassade hat eine interessante Entstehungsgeschichte, die mir Ben Mathis ebenfalls erzählt hat:

Der ursprüngliche Plan war, lediglich die erste Etage zu gestalten. Als die Stadt das gesamte Haus einrüstete, wollten Ben und die Bewohner diese Gelegenheit jedoch nicht ungenutzt lassen. Also musste ein neuer Plan her.

Für das ursprünglich geplante Design reichte die vorhandene Farbe allerdings nicht aus. Mit Unterstützung von Klaus von Ilusta, einem hochbetagten Künstler, der die Zusammenarbeit zwischen Kulturamt, SWD und den beteiligten Künstlern koordinierte, entstand schließlich eine vereinfachte Version. So entwickelte sich das heute sichtbare Raster aus unterschiedlich farbigen Pixeln.

Soweit öffentlich bekannt, lebt Herr von Ilusta noch heute in der Kiefernstraße 19. Bereits an der Gestaltung der Häuser 1 bis 5 soll er maßgeblich mitgewirkt haben.

Den schwebenden Buddha wünschten sich die Bewohner als eine Art Gegenleistung dafür, dass schließlich die komplette Fassade gestaltet werden durfte. Ben Mathis selbst hätte ihn ursprünglich gar nicht eingeplant. Meiner Meinung nach ist ihm dadurch jedoch wieder eines seiner typischen Paradoxa gelungen: die Verbindung von Dingen, die auf den ersten Blick eigentlich nicht zusammengehören. Ein Stilmittel, das sich wie ein roter Faden durch seine interessante künstlerische Laufbahn zieht.

Es überrascht daher kaum, dass der Perfektionist Ben Mathis auch die architektonischen Besonderheiten des Hauses, beispielsweise die Säulen, bewusst in seine Gestaltung einbezogen hat. Minimalistisch arbeite er am liebsten, erzählte er mir am Telefon. Wie bereits erwähnt, faszinieren ihn scheinbare Gegensätze: Hier das strenge, geometrische Raster, dort der schwebende Buddha als Sinnbild eines freien Geistes. Die roten Punkte verbinden beide Elemente miteinander und „erden“ den Buddha, sodass er nicht losgelöst im freien Raum zu schweben scheint.

Laut Ben Mathis benötigt ein solches Raster überraschend wenig Farbe. Für das gesamte Projekt verwendete er lediglich zwei bis drei Eimer Grundierung sowie etwa 40 bis 50 Sprühdosen für Raster und Buddha. So konnte diese eindrucksvolle Fassadengestaltung mit vergleichsweise einfachen Mitteln innerhalb von rund zwei Wochen entstehen.

Auf meine Frage, welches „Schnittmuster“ man für eine derartige Arbeit benötige, erklärte er mir schmunzelnd, dass die Technik eigentlich recht unkompliziert sei. Er habe eine Schablone von etwa 70 × 100 Zentimetern verwendet. Werde diese sauber angelegt, lasse sich das Raster Schritt für Schritt erstaunlich präzise auf die Fassade übertragen.

Schon wieder habe ich eine neue Technik der Street-Art-Kunst kennengelernt. Ich glaube inzwischen, dass es mindestens 1001 Möglichkeiten gibt, Fassaden zu gestalten. Und ich bin gespannt, welche ich als Nächstes entdecken darf.

Krefeld, Juni 2021

Überarbeitete Fassung: August 2026 (sprachliche Überarbeitung und Anpassung an das aktuelle Homepage-Design).

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Quellen: thedorf.de, 40grad-urbanart.debenmathis.de, Telefoninterview mit Ben Mathis  Juni 21

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