Kiefernstraße Düsseldorf - Kernkompetenz Widerstand

Unverhofft kommt oft - oder wie ein Tipp der Kollegin zu einer Passion wurde ...

Da eine junge Kollegin meine Fotoleidenschaft hinreichend bekannt war, bekam ich im Frühling 21 den Tipp, mir doch einmal die bunte Straße in Flingern-Süd anzuschauen. Ein Foto hatte sie auch gleich parat, ein Regenbogenhaus. Gut, meine Kamera hatte ich wie so oft dabei, die Straße liegt nicht weit vom Büro und so fuhr ich spontan am 01.04.21 zur Kiefernstraße. Dort angekommen war ich ziemlich geflasht von der

DSC_0153 -1_fertig.jpg

Vielfältigkeit, der Farbigkeit und der Vielzahl der "Bunten Häuser". Mit gefühlten 1001 Bildern im Gepäck kam ich an diesem Arbeitstag ziemlich spät nach Hause. Aber es hatte sich gelohnt. So fing mit diesem ersten Bild alles an. Viele besondere vermeintliche Kleinigkeiten fielen mir erst bei der Bearbeitung der Bilder am PC auf. Doch wer hat diese Häuser warum so wunderschön gestaltet?

Den meisten Häusern sieht man zwar an, dass sie schon ein wenig länger so bunt im Straßenleben stehen, aber sie haben immer noch ein unvergleichbares Flair.

Nach und nach bin ich also tiefer in die bewegte Geschichte der Kiefernstraße eingetaucht um festzustellen, dass es sich um weit mehr als um ein paar "Bunte Häuser" handelt. Doch eins nach dem anderen ...

Zwei besondere Straßen in Düsseldorf machen auch über die Stadtgrenzen hinaus von sich reden. Die  feudale Einkaufsmeile Königallee und, sozusagen als Gegenentwurf dazu,  die Kiefernstraße im Stadtteil Flingern-Süd, u.a. bekannt als Straße der Künstler. Ihren Bekanntheitsgrad verdankt die Kiefernstraße den Hausbesetzungen in den 80ger Jahren sowie ihrer unermüdlichen Gegenwehr gegen die modernen Stadtbebauungspläne der Stadt Düsseldorf. Noch heute leben ehemalige Hausbesetzer in mittlerweile regulären Mietverhältnissen dort. Mitte der 80ger Jahre wurde die Kiefernstraße mit der RAF in Verbindung gebracht. Ihre bewegte Geschichte gepaart mit ihrer alternative Lebensform und der Unbeugsamkeit gegenüber der Stadtverwaltung geben ihr und den Bewohnern der Kiefernstraße eine besondere Wertigkeit. Auch über das Wohngebiet hinaus identifizieren sich Menschen mit dem Leben und Wohnen in der Kiefernstraße. Diese ersten "Doc Google" entnommenen Informationen machen auch für mich als "Nicht Düsseldorfer" einen intensiveren Blick auf die gesamte Historie der Straße höchst interessant.

Lage:

An Rand von Flingern-Süd gelegen, grenzt die Kiefernstraße an Oberbilk. Mit den Gewerbegebieten und stillgelegten Industriebetrieben rundherum wirkt die Kiefernstraße wie eine  Insel der Wohnbebauung. Getrennt von weiteren Wohngebieten durch 2 Hauptverkehrsstraßen ist diese Straße ein ca. 380 m langer Mikrokosmos, in dem ca. 800 Bewohner aus bis zu 45 Nationalitäten und unterschiedlichsten sozialen Zugehörigkeiten ein Zuhause gefunden haben.

Im 19. Jahrhundert wurde mit der Industrialisierung die Eisenbahn auch in Düsseldorf ein wichtiges neues Transportmittel eingeführt. Das 1. Teilstück verband den Stadtteil Gerresheim mit dem damaligen HBf am Graf-Adolf-Platz. Die Streckenführung kreuzte die Erkrather Straße und führte über die Kiefernstraße. Hierbei handelte es sich um die schon 1838 in Betrieb genommene erste Eisenbahntrasse Westdeutschlands, die "Düsseldorf-Elberfelder Eisenbahn". Der untere Teil der heutigen Kiefernstraße hieß damals noch Pfeilstraße.

Um 1900 verband die Kiefernstraße, die zu diesem Zeitpunkt noch Ruhrtalstraße hieß, die städtischen Gaswerke mit den Kesselschmieden, Walzwerken und Drahtziehereien an der Fichtenstraße und in Oberbilk. Eingeweiht wurde die Kiefernstaße am 30.09.1902, um modernen Wohnraum in Arbeitsnähe zu schaffen. Nach und nach erfolgte die Bebauung mit Werkswohnungen. Ab 1908 wurde von der damaligen Kölner Firma Kaiserstein AG inmitten des industriellen Ballungsgebietes mit ca. 40.000 Arbeiter*innen unter der Leitung der Düsseldorfer Architekten Rudolf Wilhelm Verheyen und Julius Stobbe  21 mustergültige Kleinwohnungen gebaut. Die unter sozialen Gesichtspunkten erbauten Wohnungen sollten dazu beitragen, die soziale Lage der Arbeiter und ihrer Familien  zu verbessern. Es handelte sich hier um Grundstücke des Betreibers der benachbarten Kesselschmiede, Jacque Piedboeuf. Zwischen 1908 und 1910 entstanden so die Häuser Kiefern 1 - 37 und Kiefern 6 - 12. Die drei Häuser Kiefern 14 - 18 wurden vom damaligen "Düsseldorfer Bau- und Sparverein" etwa zur gleichen Zeit unter der Leitung des Architekten Fritz Hofmeister erbaut.

Doch was genau bedeuteten denn nun diese neuen sozialen Wohnungen. Was machte sie für die Arbeiter*innen so neu und erstrebenswert?

Die Baubeschreibung des Architekten Verheyen gibt hier Aufschluss. Er beschrieb u.a. die Notwendigkeit für die Arbeiter*innen, Wohnungen in der der Nähe der Arbeitsstätte zu haben. Wo viele Menschen auf engem Raum untergebracht sind, ist es um so wichtiger, eine gut durchdachte Logistik zu beachten. Als absolutes Novum wurden in den Verwaltungsgebäuden Badeanlagen zur Verfügung gestellt. In den Untergeschossen wurden Brausen und Wannen in kleinen abgeschlossenen Zellen angelegt, die den Mietern für kleines Geld zu Verfügung standen. So kostete ein Brausebad z.B. 5 Pfennig und ein Wannenbad 10 Pfennig. Für die Pflege und Instandhaltung wurde ein Hausmeister angestellt. Einige der in sich abgeschlossenen Wohnungseinheiten hatten einen separaten Abort, der meist hinter dem Wohnungsabschluss lag. So revolutionär die neue Art des Wohnungsbaus war, hatten doch nicht alle Wohnungen einen eigenen Abort. In vielen Häusern teilten sich mehrere Mietparteien einen Abort, der meist auf halber Treppe im Treppenhaus gelegen war. An diese Situation hat sich offensichtlich bis heute nicht viel geändert. 

So ein Verwaltungshaus (wahrscheinlich der Düsseldorfer Firma Eisen- und Drahtindustrie) mag das Badehaus in der Kiefernstr. 4 gewesen sein. Nicht besonders auffallend in der Reihe der Häuser, so belegt doch ein altes Foto von 1906 von seiner besonderen Bedeutung. Es könnte sich bei dem Bild um die Einweihungsfeier einer Speisewirtschaft oder Frühstücksstube gehandelt haben. Zu sehen ist die fein heraus geputzte Pächter- oder Betreiberfamilie Allekotte, die neben Allerlei für das leibliche Wohl auch Unterkunft mit Verpflegung sowie ein Brausebad im Hof anbot. Also alles, was man für das Wohlergehen im einfachen Rahmen seinerzeit begehren konnt. Die Fassade der Kiefern 4 soll noch weitestgehend erhalten sein. Aktuell beherbergt das Haus Nr.4 das "Kulturbureau Kiefernstraße" (K4).

Mit einer neuen Belebung der Kiefernstraße im Jahr 1981 erlebte das von dem älteren Herrn Sobbek geführte Lebensmittelgeschäft noch einmal einen Aufschwung. Seit vielen Jahren führte er dieses Geschäft mit zwei Verkäuferinnen und einem vollumfänglichen Sortiment. Bis zu seinem Ruhestand, in den er mit einer feucht/fröhlichen Feier verabschiedet wurde, konnte er sein Geschäft noch ein Weile weiter führen.

Im Anschluss führten die griechischen Pächter Jannis und Maria Lebensmittelhandel jedoch mit stark reduziertem Angebot noch einige Jahre weiter. Freundliche Gespräche und auch mal Anschreiben hielten den guten Kontakt zu den Bewohnern am Leben. Nachdem Jannis als Kneipenwirt in Bild eine neues Betätigungsfeld fand, führte Ricarda eine Zeit lang einen Kiosk, der im Laufe der Zeit mit Outdoor Sitzgelegenheiten zu einer Begegnungsstätte avancierte, sooft das Wetter dies zuließ.

Danach standen die Räumlichkeiten lange Zeit leer. Bis das "Kulturbureau Kiefernstraße 4" die Räumlichkeiten anmietete, um dort eine Galerie für Ausstellungen, Lesungen und verschiedene Kunstprojekte einzurichten. Gefördert wurde diese Arbeit vom Kulturbüro der Stadt Düsseldorf. 

Im Januar 2019 wechselte erneut das Team. Der Schwerpunkt des alten Badehauses lag nunmehr auf den Treffen der Bewohner*innen, für Straßenversammlungen, um gemeinsam den Kampf um bezahlbaren Wohnraum weiter zuführen. Ab und zu sollen die Räumlichkeiten auch für außerschulischen Geschichtsunterricht genutzt werden.

Soweit die Geschichte der Kiefern 4.

Die aktuellere Geschichte der gesamten Kiefernstraße stellt sich als ebenso bewegt wie nachhaltig dar:

Nachdem die Klöckner Werke als Nachfolger der Düsseldorfer Eisen- und Drahtindustrie 1975 ihr Walzwerk an der Fichtenstr.40 (dem heutiges Zakk) schlossen und 2 Jahre später zusammen mit den Werkswohnung in der Kiefernstraße an die Stadt Düsseldorf (Liegenschaftsamt der Stadt Düsseldorf) verkauften, begann quasi die neuere Geschichte.

1977 war der Besitzer die städtische Düsseldorfer Wohnungsbau Gesellschaft (DÜWOGE), die den Bewohnern ein "Lockprämie" in Höhe von 1.000 DM anbot, wenn sie auf ihr Wohnrecht auf dieser Straße verzichten würden.

Obwohl bezahlbarer Wohnraum nach wie vor knapp war, wurde 1977 mit der Entmietung begonnen. Die Häuser wurden nach und nach leer gezogen und durch Zumauern der Fenster und Zerstörung der sanitären Anlagen auf den Abriss vorbereitet. Nach Plänen der Stadt Düsseldorf sollte hier ein neues Gewerbegebiet entstehen. Der Stadtrat beschloss deshalb 1978 die förmliche Festlegung der Kiefernstraße als Sanierungsgebiet. In Folge wurden die Häuser Kiefern 7,9, 35 und 37 dem Sozialamt überlassen, die hier vorwiegend afrikanische Flüchtlinge einquartierten.

Bis 1981 waren schon über 100 Wohnungen von den einstigen Bewohnern verlassen worden. Die Wohnungsnot war allerdings weiterhin groß. Im  Sommer 1981 übergab die Stadt dann 50 Wohnungen in 4 Häusern dem 1972 gegründeten Verein "Aktion Wohnungsnot e.V." mit dem Versprechen, im September 1981 nochmal 50 Wohnungen zur Verfügung zu stellen. Diese Zusage wurde nicht gehalten wurde. Daraufhin erfolgte im Herbst 1981 die Besetzung von weiteren 50/60 Wohnungen. Durch Intervention der "Wohnungsnot e.V. legalisierte die Stadt zwar die Besetzungen durch Nutzungsverträge, wollte weitere Hausbesetzungen aber nicht hinnehmen, da der Wohnraum für Flüchtlinge benötigt würde. In einigen von diesen Wohnungen wurden vom Sozialamt überwiegend afrikanische Flüchtlinge untergebracht. Es folgten weitere Besetzungen, gegen die die Stadt mit Strafanzeigen wegen Nötigung und Hausfriedensbruch anging. Daraufhin brach der Kontakt mit der Stadt brach ab.

Zusammen mit dem benachbarten alternativen Kommunikationszentrum "ZAKK" wurden über 600 Unterschriften von den Bewohner*innen gesammelt, die an die Stadt mit der Forderung weiter gegeben wurden, die Stadtplanung neu zu überdenken und den so dringend benötigten Wohnraum den Bewohnern zu überlassen. Die Stadt rührte sich allerdings weithin nicht. Die Bewohner fingen mittels Hausversammlungen und Straßenplänen an, sich selbst zu organisieren und begannen, den über lange Jahre vernachlässigten Wohnraum in Eigeninitiative zu sanieren. Als es 1982 im gesamten Stadtgebiet zu Räumungen von besetzten Häusern kam, zog es einige der betroffenen Bewohner ebenfalls in die Kiefernstraße.

Erst als sich 1984 die Kräfte in der Bezirksvertretung und im Rat im Zuge von Kommunalwahlen verschoben, wurden die Kontakte zur Stadtverwaltung, wenn auch erst zögerlich, wieder aufgenommen. Die meisten Asylbewohner wurden umgesiedelt und die Häuser Kiefern 35 und 37 wurden wieder vermietet. Im Jahr 1985 wurden dann auch die Asylbewerber der Häuser Kiefern 7 und 9 umgesiedelt. Im darauf folgenden Jahr wurden diese Häuser ebenfalls besetzt.

Als am 02.08.1986 das RAF-Mietglied Eva Sybille Haule-Frimpong um 16:30 Uhr im Eiscafé Dolomiti in Rüsselsheim zusammen mit 2 Bewohnern der Kiefernstraße verhaftet wurden, folgte eine Großrazzia mit 800 Polizisten in schnellen Fahrzeugen. Das schwer bewaffnete Sondereinsatzkommando, ausgestattet mit Visierhelmen und schusssicheren Westen stürmte mehrere Wohnungen. Die ganze Nacht hatten sie mit dem Zugriff gewartet, bis sie die Nachricht über die gelungene Festnahme in Rüsselsheim erreichte. Die beiden 23- und 27-jährigen Begleiter standen unter dem Verdacht, Kuriere der Roten Armee Fraktion gewesen zu sein und Verbindungen zum militanten Kern der Düsseldorfer Hausbesetzerszene zu haben. Nachdem Namen und Wohnort der beiden bekannt waren, konnte der Zugriff erfolgen. Terrorfahnder des Bundeskriminalamt durchsuchten Kiefern 1, wo einer der Männer gewohnt haben soll. So rückte die Kiefernstraße ins Zentrum der bundesdeutschen Aufmerksamkeit. Die Verhaftung von Eva Haule und ihren Begleitern stand im Zusammenhang mit dem Attentat vom 09.Juli, bei dem der Siemens-Manager Karl Heinz Beckurts und sein Fahrer Eckhard Groppler ermordet wurden. Bei Frau Haule-Frimpong befand sich eine durchgeladene großkalibrige Pistole der Marke SIG-Sauer, die aus einem RAF-Überfall am 05.11.84 auf ein Waffengeschäft in Masdorf stammten, sowie weitere Munition und verschiedenen gefälschte Ausweise.

Bei der Durchsuchung der Kiefernstraße wurden zwar keine Waffen gefunden, aber Unmengen Dokumente.

Im Laufe des nächsten Jahres kam es immer wieder zu Razzien, Demonstrationen und Großeinsätzen der Polizei. Die Kiefernstraße wurde zeitweise von der Polizei gesperrt. Bis 1988 werden noch 6 Bewohner der Kiefernstraße wegen Terrorverdachts festgenommen. Vom damaligen CDU-Generalsekretär Helmut Linssen wird die Kiefernstraße im NRW-Landtag als "Zentrum des Terrorismus in der BRD schlechthin" bezeichnet.

Nach langen Debatten und erneuten Hausbesetzungen kam es dazu, dass 1988 befristete Mietverträge mit den Bewohner*innen abgeschlossen werden konnten, die 10 Jahre später verlängert wurden. Als im November 2008 die Mietverträge auslaufen 

Polizei räöumt Kiefern 6 02_1988.jpg

sollten, kam es erneut zu Unsicherheiten auf Seiten der Bewohner. Glücklicherweise konnten im September 2008 die Bewohner darüber informiert werden, dass die Mietverträge bis auf Weiteres ihre Gültigkeit behalten würden.

Foto Feb 1988: Werner Gabriel/Hans Jürgen Breuer - Montage: Krebs/Radousi - Erlaubnis zur Veröffentlichung: Jon Blos

Anfang des neuen Jahrtausends startete langsam die künstlerische Aufwertung der Kiefernstraße. Ab 2003 begann das "Kulturbureau Kiefernstraße" mit der künstlerischen Umsetzung der neuen Häuserfassaden. Die vorher besetzten Häuser mit den ungeraden Zahlen wurden nach und nach in unterschiedlichen Etappen in Absprache und mit Unterstützung der Hausbewohner farbenfroh, teils sozialkritisch gestaltet. Die neue Optik sollte zum Flair der Kiefernstraße passen.

 

Im Jahr 2004 wurden von der Künstlergruppe "Farbfieber" um Klaus Klinger unter dem Motto "Schöner Wohnen auf der Kiefernstraße" die Häuser Kiefern 1 - 5 farbenprächtig gestaltet. Die Bemalung zieht sich am Eckhaus Kiefernstraße/Fichtenstraße bis auf die Seite der Fichtenstraße, wo sich auch das "ZAKK" auf der Fichtenstraße Nr. 40 befindet.

2008 startet die Aktion "5mal5". Hier werden 5 verschiedenen Häuser auch wieder unter der Ägide von Klaus Klinger unterschiedlich thematisiert aufwendig bemalt.

Nach und nach erfolgte die Bemalung auf der ungeraden Häuser bis Haus Nr. 37. Haus Nr. 10 auf der geraden Seite wurde 2012 bemalt und mit dem "Afrikahaus" von Karsten Breidenbroich wurde 2016 das vorerst letzte Haus bemalt.

Nicht vergessen darf man den Bauzaun, der in regelmäßigen Abständen ein Ort für künstlerische Treffen ist. Das Besondere an der Kiefernstraße zeigt sich hier u.a. in der Tatsache, dass die Streetart und Graffiti Kunstwerke weitestgehend von Fremdschmierereien verschont bleiben.

Da  20 verschiedene Häuser 20 verschiedene Geschichten ihr eigen nennen, findet ihr diese in ihrer numerischen Reihenfolge hier.  Zumindest soweit ich diese eruiren kann. Bei den meisten Häusern reichen auch nicht ein oder zwei Bilder, um die vielen Bilder im Bild, Symbole an den Wänden und Ideen von den Künstlern und Bewohnern wieder zu geben. Aus diesem Grund gibt es hier für jedes Haus eine kleine Galerie.

 

An dieser Stelle möchte ich mich bei dem Künstler Karsten Breidbroich für das freundliche Telefon Interview bedanken, das mir interessante Einblicke in das "Making Of" des "Afrikahauses" (Kiefern 12)gegeben hat. Beim Betrachten der Bilder, die mir der Fotograf Jürgen Wintermantel-Menze zur Verwendung frei gegeben hat, habe ich das Gefühl selbst dabei gewesen zu sein. 

Das Gallische Dorf - Kernkompetenz Widerstand

so titulierte ein Artikel vom 05.03.19 im Coolibri die  Kiefernstraße. Denn genauso wehrhaft versteht sich die Gemeinschaft Kiefernstraße, wenn es um den Erhalt ihres Lebens- und Wohnraumes geht.

 

Hier findet ihr einen Einblick in die vielseitigen Aktivitäten der Gemeinschaft Kiefernstraße zum Erhalt ihres mit so viel Engagement erkämpften Wohn- und Lebensraum:

*Planwerkstadt378-HANDELN: STADT DENKEN - Einladung zum Beteiligungsverfahren (...)

*Für Eine Soziale Stadtplanung - Wer arm ist, fliegt raus! Kein Hotelbau (...)

*Flingern Lässt sich nicht verspeisen - 26.06.19 Sitzung der Bezirksvertret...(...)

*Für Eine Rebellische Stadt - Friede den Hütten! Krieg den Palästen! Demo (...)

*Statement Zu Den Aktuellen Entwicklungen - Protest lohnt sich! Aber: (...) 

Die fortschreitende moderne Bebauung der umliegenden Gewerbegebiete setzt die Kiefernstraße aktuell unter Druck. Der Wunsch verschiedenen Investoren und Projektentwicklern, in unmittelbarer Nähe Mikro Apartments und Hotelkomplexe der oberen Preisklasse zu errichten, ruft massiven Wiederstand bei den Bewohner*innen der Kiefernstraße  hervor. Zusammen mit dem restlichen Stadtteil wehren sich die Menschen bisher ziemlich erfolgreich gegen diverse Fehlplanungen der Stadt. So sollen (Stand 03/19) für Cube Real Estate 140 Studentenwohnungen als Einzelapartment als auch Wohngemeinschaft sowie ein Hotel mit 280 Zimmern und eine Kita gebaut werden.

Gestern wie heute möchten die Bewohner*innen sicherstellen, dass vor allem in ihrem Stadtviertel für alle Bürger*innen Möglichkeiten und Raum zu schaffen. Es ist ihnen enorm wichtig, dass nicht nur besser verdienende Menschen, sondern Menschen aller sozialen Schichten adäquaten Wohnraum zur Verfügung haben, den sie auch bezahlen können. Jeder soll gemäß seinen Vorlieben leben können. Hier findet man keine Unternehmensberater oder Anwälte, hier wohnen Künstler, Handwerker, Physiotherapeuten und Musiker. Man kennt hier Susie aus der 12 oder Ahmed aus der 35, die Nachnamen scheinen eher zweitrangig. Es soll eine lebendige Nachbarschaft entstehen und bestehen bleiben, in der man sich untereinander kennen lernen kann, wenn man mag. Sich gegenseitig akzeptiert und Hilfe anbietet, wenn sie nötig ist. Auch Musik und Kunst soll hier Raum gegeben werden. Die Bewohner*innen möchten sich am politischen und kulturellen Geschehen in ihrer Stadt aktiv beteiligen. Sie möchten ihre Belange selbst bestimmen können. Partizipation in ihnen wichtig.

Die Kiefernstraße versteht sich als einzigartige und fortschrittliche Lebensform und Beispiel für funktionierendes soziales Miteinander. Sie bringen unterschiedliche Lebensvorlieben sowie verschiedenen kulturelle Hintergründe sozialverträglich sozusagen unter einen Hut. Man hat erkannt, dass unterschiedliche Kulturen und soziale Stati die Möglichkeit bieten, voneinander zu partizipieren. So lässt Kasper Michels, der zu den ersten Bewohnern der Kieferstraße gehörte, den Lebensentwurf der Kiefernstraße auch für "Nicht-Düsseldorfer*innen" recht lebendig werden. Seine informativen Stadtrundgänge führt er z.Zt. Corona konform online durch.

Die Kiefern, wie sich die Bewohner*innen der Kiefernstraße gern nennen, haben eine ausgesprochen autonome Wohngemeinschaft. Über Änderungen an den Gebäuden wird demokratisch entschieden. Bei anfallenden Reparaturen legt man erstmal selbst Hand an, bevor ein Hausmeister gerufen wird. Werden dort Wohnungen in der Kiefernstraße frei, entscheidet die Gemeinschaft, wer dort einziehen kann. Eine Basismiete für alle sorgt für ein Stück  soziale Gerechtigkeit. Durch verschiedenen Gremien und Arbeitsgruppen organisiert sich die Kiefern selbst. Sie entscheiden auch weiterhin über die Gestaltung der Hausfassaden.

 

In diesem doch sehr schwierigen Umfeld herrscht eine sehr hohe Sozialkompetenz. Sie sind der Meinung, dass Menschen, die sich teure Hotels und Apartments leisten können, in diesem Umfeld nicht wohl fühlen würden. Sie wären in anderen Stadteilen besser aufgehoben. So lautet die Aussage einer Bewohnerin, die 03/19 2,5 Jahre in der Kiefernstraße wohnte.

Nach Aussage von Kaspar Michels in einem Interview mit dem Coolibri, erschienen 05.03.19, sind die geplanten Großbauvorhaben schädlich für die Identität des ganzen Stadtteils Flingern. Die Menschen hätten immer weniger Identitäts- und Ankerpunkte, die sie mit "ihrem" Stadtviertel verbinden. Es dürfe nicht um maximale ökonomische Verwertung von Baugrund gehen. Es müsse vielmehr sicher gestellt werden, dass z.B. auch Arbeiterfamilien weiterhin bezahlbaren Wohnraum in Düsseldorf fänden. Wäre dieser barrierefrei, wäre das z.B. auch eine Verbesserung. Auch Kitas und Einrichtungen für Flüchtlinge und Obdachlose hält o.g. Bewohnerin erstrebenswert für die Kiefern.

In unermüdlicher gemeinsamer Arbeit haben die Bewohner 2019 in einer Unterschriften Aktion mittlerweile 3000 Gleichgesinnte gefunden. Offensichtlich hat die Bezirksvertretung inzwischen eingelenkt. Es fanden/finden Gespräche mit den Beteiligen Parteien statt, die durchaus als angenehm und produktiv wahr genommen wurden.

Aber diese Geschichte ist hiermit nicht zu Ende. Sie wird weiter geschrieben ...

Aber erstmal wird im August 2021 der 40. Geburtstag gefeiert. Man darf gespannt aber auch sicher sein, dass trotz Corona ein besonderes Ereignis stattfinden wird.

Krefeld im April 2021

Quellen/Einzelnachweise:

1. Wikipedia,

2. 360° Rundgang Kiefernstraße - Kaspar Michels

3. kiefern.og

4. mao-projekt.de

5. www.farbfieber.de

6. Coolibri vom 05.03.19

7. "They call ist Kleinpairs" - Kaspar Michels Rundgang  WAZ vom ....

8. RP Online vom 27.08.2013

9. WAZ vom 16.05.2019

Urbex Art Photografie

Lost Place Fotografie I Verlassene Orte Fotografie I Graffiti I Mural I Street Art I Down Town Gallery Krefeld